Zusammen mit Geldern, die bereits in den vergangenen Wochen angekündigt worden seien, belaufe sich die Gesamtsumme für den Gazastreifen in den kommenden zwei Jahren damit auf rund 4,13 Milliarden Euro. Zugleich warnten die Teilnehmer der Wiederaufbau-Konferenz eindringlich davor, die Bemühungen um eine politische Einigung zwischen den Palästinensern und der neu zu bildenden israelischen Regierung zu vernachlässigen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte bei der Konferenz in dem Badeort: "Wir haben auch die Hoffnung, dass das, was jetzt wieder aufgebaut wird, nicht erneut zerstört wird." Dafür seien eine dauerhafte Vereinbarung über einen Waffenstillstand zwischen Israel und allen Palästinensergruppen sowie die Wiederaufnahme direkter Friedensgespräche notwendig. Steinmeier kündigte an, dass sich die Bundesregierung mit 150 Millionen Euro am Wiederaufbau im Gazastreifen beteiligen will. Den größten Beitrag will das islamische Königreich Saudi-Arabien leisten, das Hilfen im Wert von einer Milliarde US-Dollar ankündigte. 900 Millionen Dollar Hilfe sagten die USA zu. US-Außenministerin Hillary Clinton betonte, die Hilfen würden in Zusammenarbeit mit der palästinensischen Regierung in Ramallah und Präsident Mahmud Abbas gewährt. In Anspielung auf die radikal-islamische Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert, sagte sie, Washington werde dafür sorgen, dass die "Extremisten" nichts von diesem Geld erhielten. Anders als ihre Vorgängerin Condoleezza Rice forderte Clinton die Hamas auf ihrer ersten Nahostreise als Außenministerin aber nicht auf, "dem Terrorismus abzuschwören". Hamas-Sprecher Fausi Barhum forderte, die internationale Gemeinschaft müsse die Herrschaft der Hamas im Gazastreifen anerkennen. EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner sagte: "Das Hauptproblem ist im Moment nicht die Finanzierung, sondern der Zugang" zum Gazastreifen. Die Grenzübergänge zu Israel und Ägypten müssten sofort geöffnet werden. "Wir alle wissen, was für den Frieden notwendig ist. Auf was warten wir also, auf eine Regierung, die wir mögen?", fragte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Minister, Regierungschefs und Diplomaten aus mehr als 70 Staaten nahmen an der Konferenz teil, zu der Ägyptens Präsident Husni Mubarak eingeladen hatte. Mubarak, dessen Regierung im Januar eine brüchige Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas vermittelt hatte, forderte die internationale Gemeinschaft auf, sich aktiv an der Entschärfung der "hochexplosiven" Lage in Nahost zu beteiligen. Er fügte hinzu, es sei "bedauerlich", dass sich Israel aus den von Ägypten vermittelten Verhandlungen über eine Waffenruhe mit der Hamas zurückgezogen habe. Die Entscheidung Israels, die Waffenruhe mit den Verhandlungen über einen Gefangenenaustausch zu verknüpfen, sei falsch. Palästinenserpräsident Abbas, dessen Fatah-Fraktion im Sommer 2007 aus dem Gazastreifen vertrieben worden war, erklärte: "Die Palästinenser haben keine andere Wahl als Einigung und Versöhnung." Vertreter von Fatah und Hamas hatten am vergangenen Donnerstag in Kairo einen Versöhnungsdialog begonnen, mit dem Ziel eine gemeinsame Regierung zu bilden. dpa/kr