Dem Bundespräsidenten fällt es schwer, einen Ministerpräsidenten der Linken in Thüringen zu akzeptieren, sagte Gauck am Sonntag in der ARD. Er frage sich, ob die Linke 25 Jahre nach der Wende weit genug weg ist von den Vorstellungen der einstigen SED. Damit hat Gauck eine breite Diskussion ausgelöst. Der angesprochene Thüringer Linken-Chef Bodo Ramelow reagierte zurückhaltend. Als Christ sei er "seltsam irritiert", dass ein Pastor und Seelsorger solche Aussagen über einen anderen Christen mache. Linken-Chefin Katja Kipping wurde da schon deutlicher: "Seine Zweifel an der demokratischen Gesinnung unserer Mitglieder und Wähler weise ich in aller Form zurück. So etwas gehört sich für einen Präsidenten nicht."

Zustimmung erhält Gauck unter anderem von der CDU. Der Fraktionsvorsitzende im Thüringer Landtag, Mike Mohring, verteidigte Gauck in der Leipziger Volkszeitung: "Der Bundespräsident darf eine Meinung haben. Und es ist sein Recht, Debatten anzustoßen, auch darüber, ob die Schikanierer von gestern Morgen schon wieder in Ämter kommen."

In dieser Woche wollen Linke, SPD und Grüne in Thüringen Koalitionsverhandlungen aufnehmen. Werden sie positiv abgeschlossen, könnte Bodo Ramelow erster linker Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes werden.

Seit der Wende hatte die CDU Thüringen ohne Pause regiert. Nach Josef Duchac waren Bernhard Vogel und Dieter Althaus Regierungschef. Seit 2009 ist Christine Lieberknecht Ministerpräsidentin.

Kommentar & Themen des Tages Seiten 2 & 3