Bundespräsident Joachim Gauck teilt Deutschland an diesem Tag in zwei Teile: In das "helle Deutschland" und in "Dunkeldeutschland". Der Lichtblick sind für ihn die vielen freiwilligen Helfer - wie Ärzte, Betreuer, Übersetzer -, die den oftmals erschöpften und verängstigten Flüchtlingen die Ankunft in der von ihnen als gelobtes Land empfundenen Bundesrepublik erleichtern wollen. Die düstere Seite ist für ihn der rechtsextreme Krawall gegen die Menschen unter anderen aus Kriegsgebieten wie Syrien und Afghanistan. "Hetzer und Brandstifter" dürfen nicht geduldet werden, mahnt er.

Früher als andere hat das Staatsoberhaupt Brisanz und Tragweite des Flüchtlingsproblems erkannt. Im Dezember 2012 forderte er beim Besuch eines Asylbewerberheims in Brandenburg einen "Mentalitätswandel" in der deutschen Bevölkerung. Im März 2015 machte er sich auf Malta ein Bild von den Umständen, unter denen Tausende Mittelmeer-Flüchtlinge leben, die dem Tod auf der Überfahrt entronnen sind.

Im Vergleich dazu ist Berlin-Wilmersdorf an diesem Mittwochmorgen ein undramatischer Ort - auf den ersten Blick. Rechtsradikale Proteste wie im sächsischen Heidenau hat es hier bisher nicht gegeben. Stattdessen ein Bündnis für die Unterstützung von Flüchtlingen mit dem Titel "Willkommen in Wilmersdorf".

Mehr als 500 Flüchtlinge sind dort untergebracht, seit zwei Wochen erst, wie es mit ihnen weitergeht, weiß noch niemand. Gauck informiert sich. Hier sind Freiwillige in der Verantwortung. "Wir helfen im Rahmen des Möglichen", sagt Karsten Hackradt vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), der hier mit 15 ehrenamtlichen Mitarbeitern im Einsatz ist. "Jeder Bürger kann sich hier einbringen." Das gefällt dem Bundespräsidenten.

30 Ärzte und 20 Krankenschwestern sind hier beschäftigt, in ihrem Urlaub, ihrer Freizeit. "Es gibt so viele Bekloppte", stöhnt eine Ärztin über rechte Hetzer. "Eigentlich müsste der Staat Leute einstellen", findet sie. So ähnlich argumentieren die meisten Freiwilligen: Das kann hier kein Dauerzustand sein. Aber die Stimmung in Berlin-Wilmersdorf ist anders als in Heidenau - friedlich.