An diesem Tag wussten nur wenige, dass den Vatikan bald ein anderes Thema beschäftigen würde, das ein ausgesprochen schlechtes Licht auf die Öffentlichkeitsarbeit des Heiligen Stuhls werfen würde. Bis heute wird der Papst für die Rücknahme der Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe kritisiert, unter ihnen der Holocaust-Leugner Richard Williamson. Am Wochenende warf eine weitere Entscheidung Benedikt XVI. Fragen auf. Er hatte den ultrakonservativen Pfarrer Gerhard Maria Wagner zum Weihbischof von Linz ernannt. Schlechte Außendarstellung Wie kommt es dazu, dass der Papst so umstrittene Entscheidungen zu so ungünstigen Zeitpunkten trifft, fragen sich viele. Die Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe fiel zusammen mit dem Holocaust-Gedenktag. Es war der größte anzunehmende Unfall (GAU) für die Öffentlichkeitsarbeit des Vatikans. Eine der Antworten, warum die Außendarstellung des Heiligen Stuhls so katastrophal erscheint, lautet: In Rom mahlen die Mühlen äußerst langsam. Wie Insider wissen, erfährt die Presseabteilung zuweilen erst spät von den Vorgängen und ist in der aktuellen Affäre vor allem damit beschäftigt, die Scherben zusammen zu kehren. Im Fall des künftigen Weihbischofs Wagner stand die Entscheidung zu seiner Ernennung bereits länger fest. Niemand hielt die Bekanntgabe am Wochenende zurück, so dass die umstrittene Entscheidung mit dem seit Tagen angespannten Klima zusammenfiel. Im schwerfälligen Gebilde Vatikan gibt es anscheinend niemanden, der verheerende Entwicklungen noch rechtzeitig zu bremsen weiß. Ein ähnlicher Prozess hat sich wohl im Fall Williamson abgespielt. Als die Welt von den revisionistischen Äußerungen des Bischofs erfuhr, der in einem Fernsehinterview die Existenz von Gaskammern in Konzentrationslagern leugnete, da war das De kret zur Wiederaufnahme der Lefebvrianer längst unterzeichnet. Anscheinend gab es nach Bekanntwerden des Interviews kein Zurück mehr, da die Bischöfe das Dekret bereits in den Händen hielten. Im Vatikan vermutet man, dass das Interview absichtlich zu diesem Zeitpunkt lanciert wurde, um dem Heiligen Stuhl zu schaden. "Schauen Sie, wir waren im Dialog mit den Autoritäten der Bruderschaft Pius X. Wir haben immer mit Monsignore Fellay gesprochen, dem Generaloberen. Und bis zum letzten Moment dieses Dialoges haben wir absolut nichts von diesem Williamson gewusst, nie ist darüber gesprochen worden, und ich glaube wirklich, dass niemand davon wusste." Das ist die Version von Kardinal Darío Castrillón Hoyos, Präsident der Päpstlichen Kommission "Ecclesia Dei", der die Verhandlungen mit den traditionalistischen Bischöfen führte. Holocaust-Leugner bekannt Kritiker behaupten, Hoyos hätte sich als Verantwortlicher besser über Williamson informieren müssen, da dessen Einstellung zum dem Holocaust seit Langem bekannt war. Doch dieser Vorwurf ist leicht auf mehrere Stellen auszuweiten. Das Staatssekretariat, eine Art Kanzleramt des Vatikans, hätte Bescheid wissen müssen. Ebenso wie alle anderen am Prozess Beteiligten. Kardinal Giovanni Battista Re, Präfekt der Bischofskongregation, dessen Unterschrift das Dekret trägt, soll sogar einen Wutanfall wegen des Verhaltens von Hoyos bekommen haben. Das berichtete die italienische Zeitung "Italia Oggi". Re vermutete, Hoyos habe die Wiederaufnahme der Lefebvrianer absichtlich beschleunigt, um diesen Prozess noch vor seiner Pensionierung abzuschließen. Hoyos ist 79 Jahre alt. Vermutet wird auch, dass Res Wutanfall einen anderen Auslöser gehabt haben könnte: Zorn auf sich selbst. Schließlich hat er das Dekret unterschrieben.