Die milde Witterung und steil fallende Importpreise hätten für die Gasverbraucher eine spürbare Entlastung bedeuten müssen. In Europa gaben die Gaspreise in den vergangenen beiden Jahren um etwa ein Drittel nach, in Fernost sogar um die Hälfte. Für 2016 werden zusätzliche Marktanbieter erwartet, was auch in Zukunft niedrige Gaspreise bedeuten dürfte. Auch deutsche Gasimporteure profitieren. Ihre Kosten sind von 2,95 Cent pro Kilowattstunde im ersten Halbjahr 2012 auf nur noch 1,96 Cent im zweiten Halbjahr 2015 gefallen, ermittelte der Hamburger Energieexperte Steffen Bukold. Doch die Endverbraucher haben praktisch nichts davon. Bukold zufolge wurden die Einsparungen beim Gaseinkauf schon 2014 nicht weiter gegeben. Dadurch entgingen jedem Haushalt im Schnitt 108 Euro. Dieser Trend setzt sich 2015 fort. Nach der Studie, die der RUNDSCHAU vorliegt, hätte der Gaspreis um zehn Prozent sinken müssen. Das geschah aber kaum. Dafür stiegen die zusätzlichen Einnahmen der Branche - um 1,3 Milliarden Euro. Demgegenüber werden die Privatkunden wegen des Umsatzsteuereffekts zusätzlich mit 1,54 Euro belastet. Ein Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden zahlt 132 Euro extra.

Wegen regional unterschiedlicher Preise variieren die Auswirkungen in den Bundesländern. Mit 172 Euro ist die entgangene Kostensenkung in Baden-Württemberg am höchsten. Es folgen Nordrhein-Westfalen (157 Euro) sowie Brandenburg und Schleswig-Holstein mit je 152 Euro. Dagegen betrug der Verlust in Sachsen nur 68 Euro.

Wirtschaft Seite 9