Unmittelbar vor dem EU-Gipfel zur Reform der Eurozone hat sich Gastgeber Herman Van Rompuy deutlich um Entspannung bemüht. Der EU-Ratspräsident entschärfte die vorbereitete Gipfel-Abschlusserklärung und kam damit der Bundesregierung entgegen.

Berlin hatte zuvor den Vorstoß des Belgiers zurückgewiesen, einen eigenen Haushalt der Eurozone zur Abfederung von Finanzschocks einzurichten. Das zweitägige Spitzentreffen beginnt heute in Brüssel.

Entgegen der ersten Absicht Van Rompuys werden sich die 27 Staats- und Regierungschefs nicht auf einen konkreten Stufenfahrplan zum Umbau der Eurozone verständigen. Die Reform ist nötig, um das gemeinsame Währungsgebiet gegen weitere Krisen zu wappnen und wetterfest zu machen.

In dem Papier ist vom Drei-Phasen-Plan Van Rompuys keine Rede mehr. Der Text geht im Detail nur noch auf vergleichsweise kurzfristige Vorhaben ein. Dazu gehören die gemeinsame Bankenaufsicht und die Schaffung einer gemeinsamen Stelle für die Abwicklung von Krisenbanken nach einheitlichen Kriterien.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso rief die Staatenlenker auf, nicht den Sinn für die Dringlichkeit von Beschlüssen zu verlieren. "Die Lage ist besser geworden, bleibt aber fragil", sagte der Portugiese am Mittwoch in Straßburg mit Blick auf die Schuldenkrise und die Lage an den Anleihemärkten. "Selbstgefälligkeit ist keine Option."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will bei dem Treffen vor allem über Schritte sprechen, um die Staaten noch wettbewerbsfähiger zu machen. Dazu müssten insbesondere die wirtschaftspolitische Koordinierung und das Zusammenspiel von nationaler und europäischer Ebene verbessert werden, hieß es aus Regierungskreisen in Berlin.

Van Rompuy hatte einen 16-seitigen Report zur Vertiefung der Eurozone vorgelegt. Der Belgier unterscheidet dabei drei zeitliche Phasen beim Eurozonen-Umbau: Reformen bis Ende kommenden Jahres, Reformen bis Ende 2014, und Reformen von 2014 an.

Dieser Ablauf war in der ursprünglichen Fassung der Gipfel-Abschlusserklärung enthalten. In den Berliner Regierungskreisen hieß es, man wolle allenfalls über die kommenden zwei Jahre reden. Beim Gipfel solle die Reformarbeit der kommenden vier bis sechs Monate im Detail strukturiert werden.

Das Vorhaben eines gemeinsamen Eurozonen-Haushalts wird in der Abschlusserklärung zwar erwähnt, aber nicht mehr in einen Zeitrahmen eingeordnet und deshalb auf die lange Bank geschoben. Es gehöre zu Vorhaben, die möglicherweise eine Änderung der EU-Verträge erfordere, heißt es in dem Papier. Vertragsveränderungen soll es vor den Europawahlen 2014 definitiv nicht geben.

Die Nachfolge von Jean-Claude Juncker an der Spitze der Eurogruppe könnte am Rande des Spitzentreffens zur Sprache kommen. "Das ist kein Eurozonen-Gipfel", sagte ein Diplomat. Der Luxemburger will das Amt Ende Januar kommenden Jahres aufgeben, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin gibt es bisher aber nicht.