Grundlage für den Ausbau des Angebots ist ein neues Bundesprogramm, aus dem Brandenburg 130 Millionen Euro zur Verfügung stehen. „Brandenburg braucht Ganztagsschulen“, betont die Sprecherin des Landesverbandes Ganztagsschulen, Christel Arlt. So sei es wichtig, die Jugendlichen durch vielfältiges Angebot an den Schulen „von der Straße“ zu holen und zugleich die Qualität des Unterrichts zu verbessern. Aus ihrer Erfahrung als Schulleiterin der Gesamtschule Finsterwalde könne sie sagen: „Die Mehrzahl der Schüler ist begeistert von den Freizeitangeboten – und Eltern, weil sie sicher sind, dass die Schulaufgaben unter Aufsicht gemacht werden.“
Voraussetzungen für eine Anerkennung als Ganztagsschule sind laut Reiche unter anderem, dass langfristig genügend Schüler da sind und drei Kooperationspartner nachgewiesen werden können. „Das können Sportvereine, Musikschulen oder Träger der Jugendhilfe sein.“ Vorstellbar sei etwa, dass eine Schule eine Projektwoche zum Thema Drogen in Zusammenarbeit mit einem Träger der Jugendarbeit veranstaltet. Im Chemie-Unterricht könnte es um die Zusammensetzung von Drogen, im Biologieunterricht um ihre Wirkungsweise gehen und als Nachmittagsangebot stünde Drogenberatung mit einem Streetworker an.
Arlt warnt jedoch vor „Ganztagsschulen in Sparvariante“. Sie betont: „Wir müssen kämpfen, dass nicht zu viel von dem Angebot nach außen abgegeben wird, denn dann ist nicht unbedingt gewährleistet, dass die Qualität der Schulen gestärkt wird.“ Aus ihrer Sicht ist die neue Auflage, dass mindestens drei externe Partner vorgewiesen werden müssen, eine Einengung. Auch sei sie nicht unbedingt für offene Angebote. Sie sei eine Verfechterin der gebundenen Form, bei der „ernsthafter Schulunterricht“ in Blöcken unterbrochen wird durch andere Angebote wie Töpfern, Tanzen oder Musizieren. „Die Tage sind natürlich für die Schüler lang, aber es werden dafür auch viele Angebote gemacht“, schildert Arlt.
Ganztagsschulen wird es für Schüler bis zur zehnten Klasse geben. „Wir rechnen derzeit bis zum Schuljahr 2008/2009 mit bis zu 125 Ganztagsschulen im Grundschulbereich und bis zu 120 für die Klassenstufen sieben bis zehn“, erläutert Reiche. Die Angebote in den Ganztagsschulen können je nach Einrichtung für alle Schüler bindend, für einige Klassen bindend oder ganz offen sein. Ein Mittagessen müssen aber diese Schulen alle anbieten. Ob am Nachmittag dann Artistik, Reiten, Musizieren oder Origami auf dem Stundenplan steht – der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

Zum Thema Flex-Modell nachgefragt
 Das Modell Flexible Eingangsphase (Flex) läuft inzwischen an 77 Grundschulen Brandenburgs. Dabei können Schüler je nach Begabung die ersten beiden Klassen in ein, zwei oder auch drei Jahren absolvieren. Flex ist schon von 2001 an für zwei Jahre an mehreren Schulen als Modellversuch erprobt worden, verlautet aus dem Bildungsministerium. Unterdessen könnten sich Schulen regulär für die Einrichtung von Flex-Klassen bewerben. Die Genehmigung erfolgt über die staatlichen Schulämter.