Damit solle eine ganztägige und ganzheitliche Bildung und Erziehung der Kinder ermöglicht werden, erklärten die Minister.

Sehr individuelle Förderung
Sie sei davon überzeugt, so Orosz, "dass ein Zusammenwirken von Grundschule und Hort als gleichberechtigte Partner sehr zur individuellen Förderung des Einzelnen und zum Gemeinsinn beiträgt". Lehrer und Erzieher sollten über den Unterricht hinaus gemeinsam abgestimmte Bildungsangebote zur leistungsdifferenzierten Förderung und Forderung schaffen. "Vor allem leistungsschwächere Schüler haben wir dabei im Blick", so Flath. Beispielsweise können Erzieherinnen im Schulunterricht mitarbeiten und umgekehrt Lehrer an Freizeitangeboten mitwirken. Auch die Einbeziehung weiterer Kooperationspartner sei dabei möglich.
Infolge der Kooperationsvereinbarung können nun für Projekte Sachmittel und Fachkraft-Honorare aus dem jährlich 30 Millionen Euro schweren Landesprogramm für Ganztagsangebote abgerufen werden. Das Programm ist ein Ergebnis des CDU-SPD-Koalitionsvertrages und soll das Bundesprogramm für Ganztagsschulen ergänzen. Es war im vorigen August gestartet. 2005 flossen jedoch zunächst kaum Gelder ab. Pädagogen kritisierten damals das Programm als zu bürokratisch, bemängelten zu geringe Honorare und vermissten klare Konzepte.
Hortpotenzial besser nutzen
Flath sagte gestern, im Unterschied zu Mittelschulen mit Ganztagsangeboten gebe es in Sachsen bereits ein flächendeckendes Angebot von Hortplätzen an Grundschulen. Dieses Potenzial solle jetzt besser genutzt werden. SPD-Bildungspolitiker Martin Dulig begrüßte das Abkommen. Damit werde deutlich, dass der Ausbau von Ganztagsangeboten mehr als ein Lippenbekenntnis sei. Die Koalition wolle alle Möglichkeiten zur besseren und früheren Förderung des einzelnen Kindes nutzen. Fast zwei Drittel aller sächsischen Schüler besuchen Horte. Damit leben in Sachsen rund 45 Prozent aller in Deutschland ganztägig betreuten Grundschüler.

System nicht schlecht reden
CDU-Schulpolitiker Thomas Colditz appellierte zugleich an Kritiker, Sachsens Schulsystem nicht schlecht zu reden. Damit würden Lehrer und Schüler demotiviert. "Auch die, die die Gesamtschule als Allheilmittel verstehen, müssen der Realität ins Auge sehen: Die Pisa-Studie hat gezeigt, dass unser sächsisches Schulsystem erfolgreich ist", so Colditz.
Die Grünen warnten dagegen davor, sich mit einigen zusätzlichen Betreuungsangeboten zufrieden zu geben. "Es besteht der Verdacht, dass dies nur Versuche der Staatsregierung sind, sich um die Einführung von echten Ganztagsschulen zu drücken", sagte Schulpolitikerin Astrid Günther-Schmidt.