Ein Viertel der im Jahr 2005 in der Müllverbrennungsanlage Lauta entsorgten 216 300 Tonnen stammen aus benachbarten Bundesländern. Mehr als 56 000 Tonnen kamen aus Brandenburg und rund 2130 Tonnen aus Sachsen-Anhalt. Brandenburg hat keine Abfallverbrennungsanlagen, nannte Betriebsteilleiter Hartmut Jäger als einen der Gründe für Mülltourismus. Insgesamt 45 Lkw bringen täglich Abfall aus dem Freistaat und den umliegenden Ländern ins Werk und 13 Wagen fahren Rückstände weg.
Der Import von Müll aus Europa auf die Deponie Cröbern südlich von Leipzig hat sich laut sächsischem Umweltministerium seit dem Jahr 2001 (4000 Tonnen) auf mehr als 120 000 Tonnen im Jahr 2005 verdreißigfacht. Überwiegend Bauschutt wurde transportiert. Dieses Jahr kamen bereits 34 000 Tonnen an. Spitzenreiter beim Export nach Sachsen ist Italien. Die aus anderen Bundesländern importierte Abfallmenge liegt weit darüber. Der Geschäftsführer des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Westsachen (ZAW) verweist auf wirtschaftliche Zwänge. „Die Abfallmengen aus dem Ausland sind ein Faktor, auf den wir nicht verzichten können“ , sagt Holger Bauerfeind. Die Deponie liegt im Einzugsgebiet des Verbandes.
Die Deponie Kodersdorf bei Görlitz darf bis Jahresende 204 000 Tonnen Gleisschotter mit gefährlichen Stoffen und asbesthaltigen Bauschutt aus Italien entgegen nehmen. Auch die Deponie Wetro bei Bautzen lagerte bislang mehr als 369 000 Tonnen Abfall aus anderen Bundesländern und Europa ein, darunter nach Angaben des Betreibers asbesthaltige Abfälle. Die Deponie Spröda (Landkreis Delitzsch) nahm bis Ende 2005 knapp 1800 Tonnen Bauschutt und Schlämme aus Bayern und den neuen Bundesländern an. Die Deponie Seehausen (bei Leipzig) lagerte im Jahr 2005 rund 58 000 Tonnen Böden und Steine aus Sachsen-Anhalt. Nach Gröbern (Kreis Meißen) kamen 400 Tonnen Abfälle ebenfalls aus Italien.
Politiker befürchten vor dem Hintergrund ungenügend ausgelasteter Kapazitäten der Anlagen unbotmäßige Müllgebühren für Endkunden. Nach Ansicht der Linken Andrea Roth verschärft die derzeit im Bau befindliche mechanisch-biologische Abfallanlage Oelsnitz (Vogtland) das Problem durch Schaffen weiterer Überkapazitäten. Sachsen dürfe nicht das Eldorado für gefährliche Abfälle aus anderen Bundesländern werden, warnte der Grünen-Abgeordnete Joannes Lichdi. Die Sachsen vor Ort müssten mangelnde Aufsicht über Müllimporte ausbaden.