Zwar fand Donath den Standort am Neumarkt von Beginn an ideal, wollte aber lieber erst abwarten, "wie der Laden läuft". Vier Jahre später eröffnete Donath schließlich sein Turm-Brauhaus, "nachdem mit Kaufhof, Peek & Cloppenburg und den Rathaus-Passagen ein Entwicklungssprung in der Innenstadt sichtbar war", wie Donath sagt. Ohne die Galerie Roter Turm hätte es diesen wohl nicht gegeben. Die nach einem Überbleibsel der einstigen Stadtbefestigung, dem Roten Turm, benannte Galerie wurde am Neumarkt direkt gegenüber dem Neuen Rathaus errichtet, in bester Lage, im Herzen der Chemnitzer Innenstadt. Jahrzehntelang lag das Areal brach - nach der Wende jedoch wollten die Karl-Marx-Städter nicht nur den alten Stadtnamen "Chemnitz" zurückhaben, sondern auch eine "richtige" Innenstadt. Es folgte ein Auf und Ab von Wettbewerben und Grundstücksvergaben, von Investoren-Rückziehern und Pleiten. Schließlich war es die einheimische Sachsenbau und Projektierungsgesellschaft mbH & Co. KG, die die Galerie auf einem 11 000 Quadratmeter großen Grundstück hochzog. Mit unerschütterlichem Optimismus verfolgte Geschäftsführer Dieter Füsslein, bis 1990 stellvertretender Oberbürgermeister von Karl-Marx-Stadt, damals das Ziel, "der Stadt ihr Herz zurückzugeben", wie er betont. Statt "gesichtsloser Center-Architektur" setzte er für die neue Einkaufspassage eine maurisch anmutende Terrakottafassade durch und plante einen Gebäudeflügel so, dass er später weiter aufgestockt werden konnte. Genauso nochmal machenAuch heute, betrachtet aus der Distanz von mehr als einem Jahrzehnt, würde Füsslein alles noch einmal genauso machen - "uneingeschränkt", wie er unterstreicht. "1998 bis 2000 war es die letzte Chance, die wir mit dem städtebaulichen Rahmenplan hatten", sagt er. Zwar sei die Galerie für ihn kein wirtschaftlicher Erfolg gewesen, sagt er. Für die Stadt allerdings sei sie ein großer Gewinn und für die Innenstadt der erste Schritt in Richtung Wiederbelebung. Auch André Donath ist zufrieden. "Die Leute machen beim Einkaufsbummel mal eine Pause im Restaurant oder kommen sonntags zum Brunch in die City. Das hat es früher nicht gegeben", beschreibt er die Belebung. Steigende BesucherzahlenCentermanager Thomas Stoyke bestätigt die steigenden Besucherzahlen: 2003, im ersten Jahr der Zählungen, hatte die Galerie Roter Turm 5,6 Millionen Besucher, 2008 bereits 7,5 Millionen und im vergangenen Jahr kamen 8,1 Millionen Menschen in die Passage. Stoykes Ansicht nach ist es vor allem ein guter Branchenmix in der Galerie und das gute Miteinander der Händler und Gastronomen in der Interessengemeinschaft Innenstadt, der diese letztlich für viele Chemnitzer wieder attraktiv mache. Auf ihre Initiative gingen Veranstaltungen wie die Modenächte oder das Brauereifest zurück, und auch an Stadtfest und Weihnachtsmarkt wirkten sie engagiert mit. "Jeder Veranstalter allein hätte nicht genug werbetechnische Power", sagt Stoyke. Über den Berg ist die Chemnitzer Innenstadt als Handelsstandort dennoch nicht. Vor allem die Entscheidungen der Nachwendejahre, in der Peripherie mehrere große Einkaufszentren zu errichten, erweisen sich für die Innenstadt als fatale Fehlentscheidungen.