Sind es fünf, sechs oder gar sieben Meter? Die Größe des imposanten Osterhasen in der Maschinenhalle der Erzgebirgischen Holzkunst Gahlenz lässt sich schwer schätzen. Mitarbeiter haben deshalb ein Pappschild aufgestellt: 6,50 Meter. Das Material wiegt gut eine Tonne. "Das ist mit Sicherheit der größte Holzhase weltweit", sagt Geschäftsführer Gundolf Berger.
Der hölzerne Geselle mit grünen Hosen und einem Knickohr - dem geschützten Erkennungszeichen der Gahlenzer Osterhasen - wartet auf seinen Freiluftauftritt, der sich wegen des langen Winters bis nach dem Osterfest verzögert. Dort, wo künftig eine Eierkiepe auf dem Rücken sitzt, lässt ein Loch einen Blick ins Innenleben zu: Der Hase ist hohl. "Anders ließe sich der Bau gar nicht bewerkstelligen", erläutert Berger, der Chef von 50 Holzhandwerkern ist. Seine Beschäftigten seien zwar fähige Drechsler und Spielzeugmacher, aber derartige Riesenteile würden in keinem Betrieb der Welt im Ganzen gefertigt.

Kopf aus 122 Teilen
So entstehen zunächst eine Zeichnung, ein Bauplan und eine Materialliste. Dann werden Schicht- und Kanthölzer zu groben Hohlkörpern verleimt und gepresst, die der Drechsler unter anderem zu Kopf, Rumpf, Ober- und Unterarmen verarbeitet. Allein die Rohform des Kopfes des Riesenhasen wurde aus 122 Teilen zusammengefügt. Für die Standsicherheit sorgt eine Stahlspindel im Innern, die in einem Betonfundament verankert wird.
Ähnlich war es beim mehr als sieben Meter hohen Gahlenzer Nussknacker, der als Weltrekordler seiner Zunft den Sprung ins Guinnessbuch schaffte. Beim Riesenhasen will Berger auf die Bescheinigung verzichten, da die Prüfprozedur sehr aufwändig sei. Der Erzgebirgischen Holzkunst Gahlenz GmbH gehe es mit den Riesenfiguren vor der eigenen Tür nicht in erster Linie um Rekorde, sondern um die Demonstration und das Austesten eigener Leistungsfähigkeit.
Bei einem breiten Sortiment traditioneller Holzkunsterzeugnisse vom Räuchermann bis zu Blumenkindern und Behang-Eiern sind Großfiguren das Markenzeichen des Betriebes geworden. So tragen die Mainzelmännchen-Pyramide in der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz und ein Nußknacker-Kapitän im friesischen Leer die Handschrift der Gahlenzer Handwerker. Im berühmten Spielzeugdorf Seiffen sind Straßen und Plätze mit den kindsgroßen Figuren aus dem Lößnitztal geschmückt. Aber auch Einkaufszentren, Hotels und Gewerbevereine ordern verschiedene Motive, meist in einer Größe zwischen einem und drei Metern.

Maschinen aus DDR-Zeiten
Die Maschinen für die Großteilbearbeitung haben Berger und seine Kollegen teilweise bereits zu DDR-Zeiten durch Umbau von Werkzeugmaschinen "passend" gemacht. Dazu kommt die jahrelange Erfahrung von Leuten, die den Umgang mit Holz von der Pike auf gelernt haben. Als einer der größten Betriebe der derzeit schwächelnden Branche hat jedoch auch die Gahlenzer Firma seit 2001 ein Drittel der Mitarbeiter entlassen. Weiter runter soll es nicht gehen. "Holzkunst ist ein Saisongeschäft, doch man kann nicht alle halben Jahre entlassen und wieder einstellen", sagt Berger.
Nachdem der Handel sich von der Bevorratung fast vollständig verabschiedet habe, werden auch die Sortimente beispielsweise für Ostern und Weihnachten bis zum letzten Moment auf Lager produziert. Die Knickohrhasen in unzähligen Varianten sowie die so genannten Ganzjahresartikel machten etwa zehn Prozent der Gesamtproduktion aus, der Hauptteil ist Weihnachtsware.
Die Riesenfiguren im Internet:
www.gahlenz.de