Bei dem Vorhaben sei es nicht mehr um die Sache gegangen, sondern darum, seinem Ressort "den politischen Erfolg nicht zu gönnen". Krach in der Koalition Kein Zweifel, in der Großen Koalition hängt der Haussegen wieder einmal kräftig schief. Und neben Gabriel macht auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dabei keine gute Figur. Aufgebracht berichtete der Sozialdemokrat, dass er auf ihr Bitten am Montag vergangener Woche nach München gefahren sei, um CSU-Chef Horst Seehofer doch noch für das Projekt zu bekehren. Aber schon am Tag darauf habe Unionsfraktions chef Volker Kauder intern erklärt, dass seine Abgeordneten der Sache nicht zustimmten. Gabriel warf der Union sogar "Verfassungsbruch" vor, weil seine Vorlage schon Makulatur sei, bevor sich das Bundeskabinett damit befasst habe. Die Geschichte des jetzt gescheiterten Umweltgesetzbuches reicht fast zwei Jahrzehnte zurück. Schon 1990 legten Experten einen ersten Entwurf vor, um die stark zersplitterten Bestimmungen vom Abfall- über das Wasserrecht bis zum Immissionsschutz zu bündeln und zu vereinfachen. Derlei Vorstöße scheiterten aber immer wieder am Kompetenz-Wirrwarr zwischen Bund und Ländern. In ihrer Koalitionsvereinbarung von 2005 unternahmen Union und SPD einen neuen Anlauf. Kern des zentralen umweltpolitischen Projekts sollte die "integrierte Vorhabengenehmigung" (IVG) sein. Nutzen für Mittelständler Demnach wären die zahlreichen Genehmigungsverfahren etwa für eine Fabrikerweiterung auf wenige reduziert worden. Nutznießer könnten laut Gabriel vor allem mittelständische Unternehmen sein. Bis auf Bayern sahen das auch alle Bundesländer so. Doch Bayern ließ sich nicht überzeugen. In München witterte man Nachteile für Betriebe und Bauern. In der Bundestagsfraktion der Union wurde eine Flut von neuen Genehmigungsverfahren erwartet. Nun steht Gabriel vor einem politischen Scherbenhaufen. Dabei gehört der Niedersachse zu den wenigen Hoffnungsträgern in der SPD. Das Umweltgesetzbuch sollte sein Meisterstück werden und wohl so manche Panne in seiner bisherigen Amtszeit vergessen machen.