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| 07:40 Uhr

G20 sollen aus der Kohle aussteigen

Greenpeace-Aktivisten demonstrieren am 02.07.2017 auf der Elbe in Hamburg bei einer der ersten großen Demonstrationen vor dem G20-Gipfel gegen die Kohle-Politik von Bundeskanzlerin Merkel und haben dabei den Slogan "End Coal" an einen Frachter geschrieben. Mehrere Aktivisten folgten in Schlauchbooten einem Frachtschiff, das laut Greenpeace etwa 75.000 Tonnen Steinkohle von Russland nach Deutschland transportiert.
Greenpeace-Aktivisten demonstrieren am 02.07.2017 auf der Elbe in Hamburg bei einer der ersten großen Demonstrationen vor dem G20-Gipfel gegen die Kohle-Politik von Bundeskanzlerin Merkel und haben dabei den Slogan "End Coal" an einen Frachter geschrieben. Mehrere Aktivisten folgten in Schlauchbooten einem Frachtschiff, das laut Greenpeace etwa 75.000 Tonnen Steinkohle von Russland nach Deutschland transportiert. FOTO: Bodo Marks (dpa)
Hamburg. Der G20-Gipfel in Hamburg wirft seine Schatten voraus. Auch Umweltverbände und Klima-Aktivisten formulieren ihre Forderungen an die Mächtigen der Welt. Im Fokus dabei: ein Kohle-Ausstieg aller G20-Staaten. Vattenfall will dabei vorangehen. bob/mit dpa

Während Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hinter den Kulissen mit den Staatschefs um Formulierungen zum Klimaschutz ringt, nutzen Umweltverbände und Klima-Aktivisten das Treffen der wichtigsten Industrienationen in Hamburg für sehr viel weitreichendere Forderungen.

Die Umweltorganisation Greenpeace etwa fordert ein klares Signal zum Ausstieg aus der Kohle. Die Energieerzeugung aus Kohle sei vor ihrem Ende. Nicht nur sei der Kohleverbrauch weltweit seit zwei Jahren rückläufig, sondern Kohle verliere auch global ihre Wettbewerbsfähigkeit, heißt es in einer am Mittwoch in Hamburg vorgelegten Greenpeace-Studie. Schon heute gebe es in der Hälfte der G20-Länder erneuerbare Energie, die günstiger oder gleich günstig wie konventionelle Energieerzeugung sei, sagte Greenpeace-Energieexperte Tobias Austrup. Noch vor dem Jahr 2030 werde das für alle Länder gelten. "Wer heute noch sein Geld in Kohle oder Atommeiler steckt, investiert in Technik, die morgen nicht mehr konkurrenzfähig ist."

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert die Staats- und Regierungschefs des G20-Gipfels auf, umgehend konkrete Schritte für mehr Klimaschutz einzuleiten. Derzeit sei kein G20-Staat auf einem Emissionspfad, der das Klimaziel von Paris ermöglichen würde. Zudem sollen die Staaten Subventionen für umweltschädliche Energie abzuschaffen. Dazu gehöre auch die Befreiung der Kohlegewinnung von Umwelt-Folgekosten wie Gesundheits- und Klimafolgekosten. 2014 flossen laut DUH in den G20-Staaten über 230 Milliarden US-Dollar an Subventionen in Kohle, Öl und Gas. In Deutschland ist laut Internationalem Währungsfond IWF die Kohleindustrie 2015 mit 49 Milliarden Euro subventioniert worden. "Diese Subventionen verhindern weltweit den Vormarsch der erneuerbaren Energien, die es - inklusiver aller Umweltfolgekosten - mittlerweile zu den günstigsten aller Energieformen gebracht haben", sagt Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Der in der Lausitz noch hinlänglich bekannte schwedische Energiekonzern Vattenfall macht derweil Ernst in Sachen Kohle-Ausstieg. Nach dem Verkauf der Lausitzer Tagebaue und Kraftwerke will das Unternehmen nun innerhalb von einer Generation komplett ohne fossile Energieträger auskommen. "Wenn die Kinder, die heute geboren werden, selbst Kinder bekommen, wollen wir fossilfrei sein", kündigte Konzernchef Magnus Hall im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur an. "Wir kennen noch nicht alle Antworten. Aber es ist unsere Pflicht, das zusammen mit Politikern und Gesellschaft wahr zu machen."

Die Top-Wirtschaftsmächte tun viel zu wenig, um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erfüllen. Trotz höherer Investitionen in grüne Technologien drohten die Industrieländer und aufstrebenden Wirtschaftsnationen (G20), das Ziel einer Erderwärmung von deutlich unter zwei Grad "weit zu verfehlen". Zu diesem Ergebnis kommt der "Brown to Green"-Bericht der Umweltorganisation Climate Transparency, der am Montag vor dem G20-Gipfel in Hamburg veröffentlich wurde. Das internationale Netzwerk bemängelt eine viel zu zögerliche Abkehr von der Kohle und eine unzureichende Klimapolitik in den einzelnen Ländern. "Deutschland schneidet aufgrund des seit 2010 nahezu gleichbleibend hohen Kohleverbrauchs in der Kategorie Pro-Kopf-Emissionen relativ schlecht ab", sagte Jan Burck von Germanwatch, Co-Autor der Studie. Anders als beispielsweise Großbritannien habe Deutschland auch noch keinen Kohleausstiegsplan vorgelegt. Die Treibhausgas-Emissionen pro Energieeinheit lägen trotz eines überdurchschnittlichen Anteils erneuerbarer Energien in Deutschland "nur knapp unter dem G20-Durchschnitt".