Die Chancen für einen politischen Ausweg aus der Syrien-Krise sind beim G20-Gipfel im russischen Sankt Petersburg verschwindend gering. US-Präsident Barack Obama hat innenpolitische Rückendeckung für eine militärische Strafaktion gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gewonnen. Russlands Präsident und Gastgeber Wladimir Putin nennt Beweise der USA für eine Schuld Assads wertlos. Mit wenig Hoffnung auf einen diplomatischen Erfolg fährt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Treffen der Staats- und Regierungschefs der weltgrößten Volkswirtschaften (G20) am Donnerstag im russischen St. Petersburg.

Die Syrien-Krise - offiziell nicht auf der Tagesordnung des zweitägigen Gipfels - dürfte die Aufmerksamkeit für Wirtschaftsthemen wie Banken-Kontrolle, Kampf gegen Steueroasen und aktive Wachstumspolitik mindern.

Zu Syrien sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin: "Es sieht derzeit sehr wenig nach einem russischen Einlenken aus." Dennoch will die Kanzlerin nach seinen Worten "jede kleinste Chance" nutzen, um zu einer gemeinsamen Haltung zu kommen. Merkel wird in St. Petersburg von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) begleitet, der den russischen Kollegen Sergej Lawrow treffen will.

Bislang blockieren die Veto-Mächte Russland und China im Sicherheitsrat jedes Vorgehen gegen Assad. Die USA machen ihn für einen Chemiewaffeneinsatz verantwortlich, der am 21. August mehr als 1400 Menschen das Leben kostete. Obama hat die Entscheidung über eine Militäraktion auf die Zeit nach dem G20-Gipfel vertagt.

Vor dem Gipfel wollte Obama in Stockholm auch mit den politischen Spitzen Schwedens, Norwegens, Dänemarks, Finnlands und Islands über Syrien beraten. Der Besuch in Schweden war möglich geworden, nachdem Obama eine Einladung Putins aus Ärger über Russlands Asyl für Ex-Geheimdienstmitarbeiter und "Whistleblower" Edward Snowden ausgeschlagen hatte.

Nach einem Treffen mit Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt machte Obama seine Entschlossenheit, militärisch zuzuschlagen, noch einmal deutlich: "Wir sind sehr davon überzeugt, dass Chemiewaffen angewandt wurden und dass Herr Assad die Quelle dafür ist." "Das internationale Handeln wäre sehr viel effizienter, wann Russland das Thema anders angehen würde", sagte Obama. Putin bezeichnete die Giftgasvorwürfe erneut als "Unsinn". "Chemiewaffen sind für eine Armee immer das letzte Mittel in der Not, aber in Syrien ist das Militär doch derzeit im Aufwind", sagte er laut Interfax.

Unterdessen ist die humanitäre Lage dramatisch. Sechs Millionen Menschen sind auf der Flucht. Sie leben in Syrien und in den Nachbarländern unter schwierigsten Bedingungen. Internationale Hilfen reichen nicht aus.