Der Bärtige hat auf seinem Hof alles im Griff. In der Werkstatt restauriert er Möbel. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit wird er dabei oft gestört. Hat er doch die Schlüsselgewalt über sein Weihnachtshäusl nebenan, durch das er gern Besucher führt. Wer bisher annahm, dass Halter für den Weihnachtsbaum einfach grün, aus Metall und schmucklos sind, für den hält Johannes Heyder manche Überraschung bereit: Christbaumständer als Grammophon, Spieldose, Krippenlandschaft oder Felsbrocken. Die Objekte der (Sammel-)Begierde bestehen aus Glas, Ton, Holz, Porzellan und Blech, wie drei Spechte mit langen Schnäbeln, die den Baum umschließen. Alle 560 Stücke aus der rund 150-jährigen Geschichte des Weihnachtsbaumständers sind in einem vorzeigbaren Zustand.
Denn Johannes Heyder betreibt richtige Fußpflege. Antikes restauriert der handwerklich Begabte selbst. Zu vielen Ständern kann er bei seinem Rundgang Geschichten von Funden auf verstaubten Dachböden, Haushaltsauflösungen oder im Internetauktionshaus Ebay berichten.
Und während in der Sammlung neumodischer Kunststoffkitsch keinen Platz hat, fußt sie selbst jedoch auf (vermeintlichen) Schrott. "Wir hatten zu DDR-Zeiten ein Fuhrgeschäft mit Kohle- und Schrotthandel", erzählt der gebürtige Wildenfelser. "Wir kauften Schrott auf. Ab und zu befanden sich auch schöne Christbaumständer darunter, die zum Wegschmeißen viel zu schade waren."
Der Erzgebirgler mit einem Herz für Weihnachtsspielzeug hob sie erst einmal auf. Der Beginn einer Sammelleidenschaft. Und da er sein Hobby nicht allein im stillen Kämmerlein frönen möchte, stellt er seine Weihnachtsbaumständer aus. "Weltweit gibt es nur etwa zwei Dutzend Sammler", weiß Johannes Heyder inzwischen. Mit vielen steht er seit Jahren in engem Kontakt. Für den 1. Advent 2007 plant er nun das erste Christbaumständer-Sammlertreffen. Stilgerecht soll es auf Schloss Wildenfels stattfinden. Bis dahin aber versucht er weitere gute Stücke zu ergattern. So träumt er von einer um 1900 in der Zwickauer Maschinenfabrik Louis Heinrici gefertigten Dampfmaschine, die den Weihnachtsbaum zum Drehen brachte. Bisher besitzt er von ihr nur eine historische Abbildung. "Aber ich werde die Maschine eines Tages finden", ist sich der Schatzsucher sicher.
Für seinen eigenen Christbaum, den er jeweils am 23. Dezember aufstellt, kann er nun bis zum Jahre 2566 jedes Weihnachten einen anderen Ständer aus seiner Sammlung auswählen. Kontakt unter: 037603/8746