Unter Daniel Engelbrechts Trikot verbarg sich eine ganz besondere Botschaft. "Nichts ist unmöglich", prangte auf seinem T-Shirt, das zum Vorschein kam, nachdem sich der 24-Jährige das Trikot vom Leib gerissen hatte. "Das hatte ich heute zum ersten Mal an", sagte der bullige Angreifer strahlend nach seinem umjubelten Siegtreffer zum 2:1 von Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers gegen den SV Wehen Wiesbaden. Der Zeugwart hatte Engelbrecht, den eine Krankheit fast Leben und Karriere gekostet hätte, das Shirt in weiser Voraussicht zu seinen Sachen gelegt. Engelbrechts "Andenken" an die schwere Zeit: Über dem Shirt war der kleine Brustpanzer zu erkennen, der den Defibrillator neben seinem Herzen vor Schlägen schützt.

Es ist eine einmalige Geschichte, die der Fußball da am Samstagnachmittag im Reutlinger Stadion geschrieben hat. Nach Herzmuskelentzündung, Todeskampf und fast eineinhalbjähriger Leidenszeit erzielte Engelbrecht seinen ersten Treffer seit mehr als 19 Monaten. Es war schon für seine Mannschaft nicht nur irgendein Treffer: Erst in der 83. Minute eingewechselt, erzielte der Angreifer in allerletzter Sekunde das Tor und ist somit für den ersten Sieg der Kickers seit zwei Monaten verantwortlich. Doch für Engelbrecht persönlich und vermutlich auch in der Geschichte des Fußballs dürfte dieser Treffer einen deutlich höheren Stellenwert einnehmen.

Die dunklen Zeiten scheinen für Engelbrecht nun vorüber. "Ein unbeschreibliches Gefühl. Das ist noch mal eine ganz andere Kategorie als mein Comeback vor einigen Wochen. Mit einem Tor weiß man, dass man wieder da ist", sagte der Angreifer, der im Jubel seine Freudentränen nicht zurückhalten konnte - oder es gar nicht wollte - und auch beim anschließenden Interview-Marathon immer wieder mit der Fassung zu kämpfen hatte.

Engelbrechts Geschichte dürfte mittlerweile jedem Fußball-Fan bekannt sein: Vor 17 Monaten war er beim Saisonauftakt gegen Erfurt zusammengebrochen. Es folgten die Diagnose Herzmuskelentzündung und vier Operationen - immer in der Ungewissheit wieder normal leben, geschweige denn Leistungssport betreiben zu können. Heute ist er der erste deutsche Profi-Fußballer, der mit einem eingepflanzten Defibrillator spielt - und jetzt auch der einzige, der ein Tor geschossen hat. "Ich gönne es ihm so sehr", sagte Trainer Horst Steffen. "Daniel hat so hart dafür gearbeitet."

Zum Thema:
Stromimpulse aus Defibrillatoren können bei einem drohenden plötzlichen Herztod Leben retten. Deshalb gibt es an vielen öffentlichen Plätzen mittlerweile Geräte, die von Passanten im Notfall benutzt werden können. Wie viele solcher "Laien-Defis" gegen gefährliches Kammerflimmern im Land Brandenburg zur Verfügung stehen, ist aber unklar: Die Anzahl der öffentlich zugänglichen Automatisierten Externen Defibrillatoren (AED) werde nicht zentral erfasst, erklärte die Landes-Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) auf eine parlamentarische Anfrage der CDU-Fraktion. Dieser Zustand müsse schnell behoben werden, forderte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion Raik Nowka. Ersthilfe bei schweren Herzkrankheiten dürfe nicht dem Zufall überlassen werden. Deshalb müssten "Defis" zentral erfasst werden. Nur so könne nachgesteuert werden, betonte Nowka.