Statt den Fifa-Präsidenten im Mai in einem vermutlich aussichtslosen Wahlkampf um den Weltverbands-Thron herauszufordern, kandidiert der Franzose am heutigen Dienstag für eine dritte Amtszeit als Chef der Europä ischen Fußball-Union Uefa. Ohne Gegenkandidaten wird Platini in der Wiener Messe per Akklamation im Amt bestätigt werden.

"Die Wahl meines Herzens, die Wahl meines Lebens war es, bei der Uefa zu bleiben, weil wir sehr viele Dinge in Europa zu erledigen haben", sagte Platini vor der Versammlung der 54 Uefa-Mitgliedsverbände.

Platinis Karriere als Sportpolitiker gleicht der als Profi. Ein begnadeter Instinkt für die richtige Situation, gepaart mit dem Mut zur Fantansie für den entscheidenden Spielzug. Damit hat es der Junge aus Joeuf in Lothringen weit gebracht - erst auf dem Platz zum Europameister und Europapokalsieger und dann als Funktionär mit Hang zu sportlichen Visionen. Sein Enthusiasmus ließ ihn auch eine seiner großen Fehlentscheidungen treffen. Angeblich um den Fußball im arabischen Raum zu fördern, gab er Katar für die WM 2022 seine Stimme. Gerüchte über private Verbindungen in der Golfregion als Motivation streitet er ab.

Gelegentlich wirkt der 59-Jährige ein wenig zu schnoddrig für die Welt der Fußball-Anzugträger - die Haare verwuschelt, das Hemd gerne aufgeknöpft oder die Krawatte sorglos gebunden, aber dafür mit einem schelmischen Lächeln ausgestattet und der Schlagfertigkeit, kritische Fragen mit liebenswertem Sarkasmus abzubügeln. Platini zu unterschätzen, wäre jedenfalls ein dramatischer Fehler.

Ob man die Ergebnisse mag oder nicht: Viel hat das einstige Mittelfeldgenie im europäischen Fußball in Bewegung gebracht. Die Champions League hat er für mehr Clubs aus kleineren Ländern zumindest zugänglich gemacht. Das Financial Fairplay soll die Geldströme kontrollieren, auch bei reichen Vereinen. Die EM findet künftig mit 24 statt 16 Ländern statt - und weil sich für 2020 kein rechter Gastgeber finden ließ, wurde die Idee der Pan-Europa-EM in 13 Ländern umgesetzt.