"Ich muss Miete, Strom,
Versicherungen und Lebensmittel bezahlen.
Letztlich würde das nicht einmal dafür reichen."
 Ex-Kellner von Tropical Islands zum Thema Niedriglohn


Zwei Jahre lang hat Frank Schmitz (Name geändert) bei Tropical Islands im Service-Bereich als Kellner gearbeitet. Er möchte anonym bleiben, weil er Nachteile bei der Arbeitssuche befürchtet, wenn er schildert, was ihn aus der Tropenwelt im Spreewald vertrieb.
Der Mittfünfziger war seit der Eröffnung von Tropical Islands dabei. "Ich war während dieser Zeit nicht ein einziges Mal krank", versichert der Mann aus der Elbe-Elster-Region, der gern nach Brand fuhr und in der ehemaligen Cargolifter-Halle auch gern weitergearbeitet hätte. "Die Arbeit machte Spaß, wir waren ein tolles Team." Er habe auch einige Male auf Urlaub verzichtet und zusätzliche Schichten übernommen, um zu helfen.
30 Jahre lang war Frank Schmitz in der Gastronomie beschäftigt. Vor Kurzem lief sein Zwei-Jahres-Vertrag bei Tropical Islands fristgemäß aus. Die Personalleitung hat ihm ein neues Angebot unterbreitet: Für eine 40-Stunden-Woche sollte er 800 Euro brutto verdienen. Hinzu käme eine Provision, deren Konditionen jedoch im Vertrag nicht näher erläutert waren. "Für so wenig Geld kann ich nicht arbeiten", schüttelt Schmitz enttäuscht den Kopf. Für die tägliche Fahrt vom Heimat- zum Arbeitsort benötige er schon allein 250 Euro Spritkosten, sagt er. Nach den Abzügen würde dann nicht mehr viel zum Leben bleiben. "Ich muss schließlich Miete, Strom, Versicherungen und Lebensmittel bezahlen. Letztlich würde das Geld nicht einmal dafür reichen", hat er nachgerechnet.
Drei Monate lang habe er versucht, ein Gespräch mit den Vorgesetzten zu bekommen, um über den neuen Vertrag zu sprechen, blickt Schmitz zurück. Rund 20-mal habe er angerufen und um einen Termin gebeten - ohne Erfolg. "Ich wurde immer vertröstet."
Kurz vor dem Auslaufen des Vertrages fand ein Manager dann doch noch einen Moment Zeit. "Verständnis und ein besseres Angebot gab es aber nicht. Stattdessen wurde mir vorgeschlagen, einen Zweitjob zu suchen", erzählt Schmitz. Bei einer 40-Stunden-Woche sei dies jedoch kaum realisierbar. "Ich habe wirklich gern in Brand gearbeitet, aber unter diesen Umständen kann ich nicht mehr weiter machen."
Leicht sei ihm die Entscheidung nicht gefallen, lange habe er das Für und Wider abgewogen. "In meinem Alter ist es schwer, einen neuen Job zu finden", weiß Schmitz genau. "Doch es gibt Grenzen, niemand will sich ausbeuten lassen." An seinem letzten Arbeitstag habe er noch einmal vergeblich um ein Gespräch gebeten. "Dann gab ich meine Schlüssel und die Dienstkleidung ab und bin gegangen."
Viele seiner Kollegen wurde das gleiche 800-Euro-Angebot unterbreitet. Gesprächstermine bekamen sie nicht. Das Management habe keine Verhandlungen zugelassen. "Viele mussten das Angebot ablehnen, weil sie nicht aus der Region stammen und allein die Benzinkosten zu hoch wären", weiß Schmitz von befreundeten Kollegen. "Einige haben zwar zugesagt, suchen aber weiter nach einer Alternative." Andere Angestellte hätten nur wenige Wochen nach der Unterzeichnung des neuen Vertrages gekündigt, weil unter dem Strich nichts übrig blieb. Schon gegen Ende des vergangenen Jahres habe es freiwillige Kündigungen gegeben.
Das Arbeitsklima hatte sich nach Angaben von Frank Schmitz mit dem Manager-Wechsel im Herbst 2005 erheblich verschlechtert. "Der Leistungsdruck nahm enorm zu, Probleme durften nicht mehr angesprochen werden." So zumindest will es der Ex-Kellner erlebt haben.
Schmitz ist in der Zwischenzeit nicht untätig geblieben. Viele Bewerbungen hat er abgeschickt. Bisher ohne Erfolg. Noch hat ihn die Hoffnung nicht verlassen: "Ich will arbeiten und bin niemand, der Zuhause sitzen kann."