| 02:42 Uhr

Für Minderjährige hat es sich ausgedampft

Elektrische Zigaretten sind umstritten – wegen der gesundheitlichen Gefahren sollen sie für Minderjährige nun bald tabu sein.
Elektrische Zigaretten sind umstritten – wegen der gesundheitlichen Gefahren sollen sie für Minderjährige nun bald tabu sein. FOTO: dpa
Die Bundesregierung will den Verkauf von elektrischen Zigaretten und Shishas an Kinder und Jugendliche in Deutschland möglichst rasch verbieten. Der Grund: Das Dampfen birgt gesundheitliche Risiken. Die RUNDSCHAU erklärt, worum es geht. Hagen Strauß

Womit begründet die Regierung das Verbot?
"Verdampfer sind keine harmlosen Naschereien", sagte Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU) am Donnerstag in Berlin. Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) erklärte, ob mit oder ohne Nikotin, oft würden die Verdampfer als gesunde Alternative zur Zigarette gepriesen. "Sie sind aber nicht gesund." Denn inzwischen gebe es mehrere Studien wie die vom Bundesinstitut für Risikobewertung, die belegten, dass auch die Inhaltsstoffe von nikotinfreien Verdampfern schädlich sein können. So würden bestimmte Aromastoffe das Wachstum der Lunge beeinträchtigen oder womöglich Krebs auslösen. "Deswegen gehören sie nicht in die Hände von Kindern", so Schwesig.

Wie funktionieren E-Zigaretten und E-Shishas eigentlich?
Im Gegensatz zur traditionellen Zigarette machen sie nur Dampf, da brennt nichts. E-Zigaretten und E-Shishas bestehen im Wesentlichen aus einem auswechselbaren Akku, der die vom Verdampfer benötigte Energie liefert. Eine Flüssigkeit (Liquid) in einer Patrone wird dann durch Hitze zu einem feinen Nebel verdampft, der inhaliert wird. Inzwischen gibt es Liquids in unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen - von Mango, Gummibärchen bis zu Keks, Schokolade oder Kaugummi. Laut Schwesig können die süßen und kinderfreundlichen Aromen dazu verleiten, auch auf herkömmliche Zigaretten umzusteigen.

Wie beliebt sind die Verdampfer?
Nach Angaben der beiden Minister gibt es inzwischen zwei Millionen Konsumenten, jeder Dritte 12- bis 17-Jährige habe überdies schon mal am Verdampfer oder einer Tabak-Zigarette gezogen. Fakt ist zudem: Allein die E-Zigarette ist ein enormer Wachstumsmarkt. Nach Brancheninformationen hat sich der Umsatz in den vergangenen Jahren mehr als verzwanzigfacht. Und laut einer EU-Erhebung wurden im vergangenen Jahr fast 7800 Geschmacksrichtungen angeboten, darunter auch Tabak, Menthol oder Alkohol.

Zugleich wächst nach Angaben des Gaststättenverbandes Dehoga die Zahl von Shisha-Bars, "wenn auch regional unterschiedlich", so ein Sprecher zur RUNDSCHAU. Vor allem in den großen Städten sind solche Bars in.

Warum sind E-Zigaretten und E-Shishas überhaupt noch für Minderjährige erlaubt?
Weil es eine Lücke im Jugendschutzgesetz gibt. Dort finden sich nur klare Regelungen zum Verbot des Konsums von Tabak, die auch für normale Wasserpfeifen gelten. E-Zigaretten und E-Shishas fallen nicht darunter. Diese Lücke will die Regierung jetzt schließen. Das Verkaufsverbot der Produkte an Minderjährige soll dann künftig auch für den Versand- und Internethandel gelten.

Was sagt der Branchenverband zum Vorgehen der Bundesregierung?
Der Verband des E-Zigarettenhandels begrüßt das Verbot ausdrücklich. Verbandschef Dac Sprengel sagte der RUNDSCHAU: "Das wird auch langsam Zeit." Sein Verband fordere das Verbot schon seit 2011. Auch wenn nach dem Stand der Wissenschaft E-Zigaretten bei Weitem weniger schädlich seien als Tabak-Zigaretten, so gehörten auch sie "zu den Produkten, von denen junge Menschen noch nicht einschätzen können, wie sie wirken".