Rund zwei Drittel (65,4 Prozent) äußerten diese Empfindung in einer Untersuchung des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld, berichtete die "Leipziger Volkszeitung". Fast jeder Zweite (45 Prozent) würde Ausländer in ihre Heimat zurückschicken, wenn dadurch Arbeitsplätze für Deutsche frei werden. Für die Studie wurden 1086 deutsche Sachsen befragt.
Als Reaktion sprachen sich Politiker von SPD und Grünen für den Erhalt des Landesprogramms "Weltoffenes Sachsen" aus. "Potsdam kann überall sein. Gerade in Sachsen weiß man, wie schnell aus latenter Fremdenfeindlichkeit Gewalt werden kann", sagte Sachsens SPD-Landesvorsitzender und Wirtschaftsminister Thomas Jurk. Er warnte vor Kürzungen am Landesprogramm. "Die Ausstattung des Programms mit mindestens zwei Millionen Euro muss gesichert sein." Die Förderung der zivilgesellschaftlichen Aktivitäten für Toleranz und Demokratie und gegen Rechtsextremismus müsse mindestens auf dem Niveau der laufenden Jahre fortgeführt werden.
Die Studie mit dem Titel "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Sachsen" ist Teil einer repräsentativen Gesamtstudie, für die von 2002 bis 2005 bundesweit fast 10 000 Deutsche nach ihren Einstellungen befragt wurden. Die Forscher stellten dabei große Unterschiede zwischen Ost und West fest. Auf nahezu allen Feldern sind die Werte in Sachsen höher als in den alten Ländern. Häufig handelt es sich dabei um eine bereitwillige Zustimmung zu traditionellen Vorurteilen. So stimmte mehr als jeder Sechste (17,3 Prozent) der Aussage zu, Weiße seien zu Recht führend in der Welt. 18,2 Prozent sprachen Juden in Deutschland zu viel Einfluss zu. Fast jeder dritte Sachse (29,9 Prozent) würde Muslimen die Zuwanderung untersagen und Ausländer in ihren Rechten beschneiden.
Die Vorurteile betreffen neben der Fremdenfeindlichkeit auch Rassismus, Angst vor dem Islam und Angst vor Homosexuellen. Auch Obdachlose würden in Sachsen häufig gering geschätzt. Fast 45 Prozent würden bettelnde Obdachlose aus Fußgängerzonen entfernen, ein Viertel fühle sich in Gegenwart von Behinderten unwohl.
Besonders anfällig für Vorurteile sind der Studie zufolge Ältere, Arbeitslose, Bewohner auf dem Lande sowie Menschen mit geringer Bildung. Laut Befragung ist die Gruppe der unter 21-Jährigen in Sachsen erkennbar rassistischer und antisemitischer eingestellt als die Altersgenossen im übrigen Bundesgebiet. Die Zahl der Ausländer ist 2004 auf zwei Prozent der Bevölkerung gesunken. Demnach leben in Sachsen weniger als 86 000 Ausländer aus 177 Ländern. (dpa/kr)