Mit dem Urteil vom Freitag ahndete die Schwurgerichtskammer eine Tat, die sich am frühen Nachmittag des 27. Juli 2008 in einer Filiale der Sparda-Bank in Cottbus ereignet hatte. An diesem Tag wollte der 63-jährige Rainer Z. aus Cottbus 50 Euro abheben. Am Geldautomaten stehend wurde das ahnungslose Opfer vom Angeklagten mit einem Messerstich in die Niere und einem Schlag an den Kopf niedergestreckt und später mit dem Messer an der Beinschlagader verletzt. In einer Notoperation retteten die Ärzte das Leben des Rentners. Dieser musste drei Tage lang auf der Intensivstation und insgesamt 14 Tage im Carl-Thiem-Klinikum behandelt werden.Grund für den Überfall: Sebastian S. ist von Heroin abhängig. Er brauchte am Tag bis zu zwei Gramm des Rauschgiftes. Täglich kosteten die Spritzen den Hartz-IV-Empfänger 60 bis 100 Euro. Bis zu dem Überfall hatte er sich das Geld durch Ladendiebstähle und Einbrüche in Autos besorgt, war dafür zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden und bis zur Tat nur auf Bewährung auf freiem Fuß.Der Geldautomat streikteDiesmal aber wollte Sebastian R. einen großen Fang machen. Er brauchte viel Geld für den "Stoff" und zur Begleichung einer offenen Stromrechnung, um das Abklemmen des Zählers bei sich zu Hause zu vermeiden. 500 Euro wollte er mit dem Raub kassieren. Diese Summe hatte er eingegeben, nachdem er den Rentner just in dem Moment niedergestochen hatte, als der die Geheimzahl eingetippt hatte. Doch der Geldautomat streikte. Warum, das konnte nicht geklärt werden. Sebastian R. floh, brach an einem Cottbuser Badesee ein Auto auf und beschaffte sich mit dem dort Erbeuteten bei einem Dealer in Lübbenau (OSL) seinen Heroin-Bedarf.Opfer Rainer Z. hat den Überfall bis heute seelisch und auch körperlich nicht überwunden, muss weiter ärztlich behandelt werden. "Ich habe Angst, zur Bank zu gehen, blicke mich immer wieder um, ob mir ja niemand zu nahe kommt", schildert er gegenüber der RUNDSCHAU seine nervliche Anspannung. "Zum Glück hat mir der Weiße Ring sehr geholfen." Von der Opferhilfsorganisation habe er in der RUNDSSCHAU gelesen, sagt Rainer Z. Vom Urteil ist er enttäuscht. "Etwas länger Gefängnis hätte es schon sein müssen", erklärte er nach Prozessende. Er fügte aber auch, ganz ohne Hass, hinzu: "Jetzt sollte der junge Mann seine Chance aber auch nutzen." Rainer Z.'s Anwältin, Manina Miltz, kritisierte, dass das Gericht einen Tötungsvorsatz verneint hat. "Wer einem Menschen mit einem Messer in die Nieren sticht, muss damit rechnen, dass dieser daran sterben kann", erklärte sie. Die Nebenklägerin hatte genau wie die Staatsanwaltschaft zwölf Jahre Freiheitsentzug wegen versuchten Mordes beantragt, die Verteidigerin auf fünf Jahre plädiert.Voll schuldfähigDass die Tat ein versuchter Mord war, dafür sah das Gericht keine hinreichenden Beweise. "Der Angeklagte hatte keinen direkten Tötungsvorsatz. Ansonsten hätte er dem Opfer in Brust, Kopf oder Hals gestochen", hieß es zur Begründung. Geständnis, Reue und eine schwierige soziale Situation von Kindheit an mit mehreren Heimaufenthalten wertete das Gericht als strafmildernd. Trotz seiner Heroinabhängigkeit sei der Angeklagte jedoch voll schuldfähig.Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte verbleibt aber zur Verbüßung seiner Vorstrafe im Gefängnis.