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Für eine Studie: Lübbenau-Cottbus zu Fuß

Cottbus. Die Eingleisigkeit der Bahnstrecke zwischen Lübbenau und Cottbus ist das Nadelöhr im Zugverkehr zwischen der Lausitz und Berlin. Ein zweites Gleis muss her. Die BTU-Studentin Anne Urban hat in einer viel beachteten Studie aufgelistet, was für den Ausbau der Strecke notwendig ist. Christian Taubert

Die 27 Kilometer zwischen den Bahnhöfen Lübbenau und Cottbus ist Anne Urban schon zu Fuß abgelaufen. Vier Tage lang hat sie mit Torsten Knothe entlang der Schiene jedes Gleis und jede Weiche, jeden Bahnübergang, jede Signalanlage, jede Brücke und jede technische Einrichtung aufgezeichnet. Mit dem Fußmarsch verschaffte sich die Bauingenieurstudentin an der BTU Cottbus-Senftenberg die Ausgangsdaten, um ihren Praktikumsauftrag zu erfüllen. Den hatte sie von der DB Netz AG am Standort Cottbus erhalten, wo sie von Torsten Knothe betreut wurde.

Zu den Streckenplanern der Bahn hatte es die 26-jährige Masterstudentin offenbar gerade zur rechten Zeit verschlagen. Denn unter Verkehrsexperten ist es längst ein offenes Geheimnis, dass pünktlicher Bahnverkehr zwischen Cottbus und Berlin vor allem am zweigleisigen Ausbau zwischen Lübbenau und Cottbus hängt.

Mehr als die Forderung nach dem zweiten Gleis ist bisher aber nicht passiert. Anne Urban hat mit ihrer Studie jetzt den Entscheidungsträgern ein Material in die Hand gegeben, das den Ist-Zustand exakt darstellt und womit ein Ausblick auf die Anforderungen für das Bauvorhaben gegeben wurde. "Jetzt wissen alle, worüber geredet wird", sagt die in Freienhufen aufgewachsene junge Frau. Bei der DB Netz habe man sich erleichtert gezeigt, dass der lange vorgesehene Auftrag realisiert werden konnte.

Diese Atmosphäre hat Anne, die kurz vor ihrem Bachelor-Abschluss steht und bereits Masterkurse belegt, im Praktikumsbetrieb gespürt. Die Experten in den einzelnen Gewerken seien aufgeschlossen für das Thema gewesen und hätten mit ihr die vorgefundenen Probleme erörtert. "Überall habe ich gemerkt, wie groß das Interesse daran ist, dass auf diesem Streckenabschnitt etwas passieren muss", schildert sie.

Dabei hat sie Belege dafür vorgelegt, dass auf dem Streckenabschnitt Lübbenau-Cottbus auch perspektivisch nie ein zweites Gleis in Erwägung gezogen worden sei. Denn Brücken, die im Trassenbau auf Schiene wie Straße stets für zwei Spuren gebaut werden, wurden hier nur einspurig ausgelegt. Auch sei das ehemalige zweite Gleisbett überbaut worden. Das heißt, darauf befinden sich heute zum Teil Schalthäuser für die Bahnanlagen. "Sie müssten ebenso wie Brücken rück- und umgebaut werden", erläutert Anne Urban Resultate ihrer Studie.

Für den BTU-Lehrstuhlinhaber Eisenbahnwesen, Professor Hans-Christoph Thiel, ist mit der Studie ein verkehrspolitisch bedeutsames Thema aufgegriffen und von Anne Urban überzeugend bewältigt worden. Als sie kürzlich ihre Arbeit vor Fachleuten vorstellte, "ist nach einer lebhaften Diskussion am Ende nichts offen geblieben", erklärt Thiel. Unterdessen soll die Studie auch schon bei Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (parteilos) vorgestellt worden sein.

Für Prof. Thiel ist Anne Urban ohnehin keine Unbekannte. Denn ihre Bachelorarbeit hat sie innerhalb eines Forschungsthemas des Lausitzer Eisenbahnprofessors geschrieben. Dabei geht es um den Einsatz von Recyclingschwellen im Gleisbau. "Schwellen aus Joghurtbechern." Anne Urban schmunzelt, wie ihr Mentor das Thema auf einen einfachen Nenner bringt. "Aber genauso ist es", sagt sie.

Dass sich Thiel darüber freut, dass die Bauingenieurstudentin ihren Master nun mit dem Schwerpunkt Bahnanlagen machen will, ist verständlich. Denn das war für Anne Urban zu Beginn ihres Studiums an der BTU keineswegs klar. "Ich wollte Bauingenieur werden. Da war ich mir nach einem Praktikum in der 9. Klasse sicher. Und ich wollte unbedingt in der Region studieren", schildert die hoch aufgewachsene Studierende, die man bei den Uni-Vollyballern gern aufgenommen hat. Und außerdem hatte sie Kondition: Wer Lübbenau-Cottbus zu Fuß abläuft . . .