Eine Kompetenzbrücke soll Brandenburg und Nordrhein-Westfalen verbinden, um die Bergbaufolgelandschaften "in einer Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen" zukunftsträchtig zu entwickeln. Das bekräftigen Professor Rolf Kuhn, der Regisseur der Internationalen Bauausstellung (IBA) "Fürst Pückler-Land" und Vorsitzende des Vereins IBA-Studierhaus Großräschen, und Jens Bröker, der Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Indeland. Angeschoben worden ist das jetzt während eines Arbeitstreffens in der Lausitz.

"Der normale Werkzeugkasten der Strukturentwicklung reicht nicht, um Wirksamkeit zu entfalten", erklärt Jens Bröker. Dem stimmt Rolf Kuhn zu. "Die IBA ist für die Lausitz der Katalysator gewesen", bestätigt er. Sie habe nach dem massiven und länger als ein Jahrhundert andauernden Eingriff des Bergbaus in die Landschaft und die Lebensqualität den Glauben der Menschen an eine Zukunft in ihrer geschundenen Heimat wieder erwecken können. Im Zeitraffer wird die Lausitzer Bergbaufolgelandschaft federführend in Regie eines von Bund und den ostdeutschen Kohleländen finanzierten Staatsbetriebes, der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), zum modernen Industriestandort und touristischen Wasserrevier umgestaltet. Die IBA hat die Anker in der Region federführend vorgegeben.

Das Indeland stellt sich frühzeitig mit dem Motto "Ich. see. Zukunft" für das Leben nach der Kohle auf. Der Tagebau Inden zwischen Eschweiler und Jülich im Rheinischen Braunkohlerevier ist derzeit 1300 Hektar groß und wird von der RWE Power AG seit 2005 erschlossen. Die genehmigte Ausdehnung liegt bei 4500 Hektar. Bisher wurden acht Ortschaften mit 7400 Einwohnern umgesiedelt. Voraussichtlich im Jahr 2030 soll der Tagebau ausgekohlt sein. Bereits 2007 haben der Kreis Düren, die Städte Eschweiler und Jülich, die Gemeinden Aldenhoven und Inden sowie die Aachener Stiftung Kathy Beys die Entwicklungsgesellschaft Indeland gegründet. Der Bergbautreibende stellt dem Unternehmen über 15 Jahre etwa zehn Millionen Euro für die landschaftliche Aufwertung der Region bereit. Symbol ist der Indemann, ein seit 2009 barrierefrei zugänglicher Aussichtsturm mit Gastronomie und Minigolfanlage. 36 Meter hoch ragt er in den Himmel. Für 65 Millionen Euro wurde die Landmarke als Projekt der EuRegionale 2008 gebaut. Regionalen finden in Nordrhein-Westfalen alle zwei Jahre statt, um die Strukturentwicklung benachteiligter Regionen zu fördern. Das Lausitzer Pendant, der Aussichtsturm "Rostiger Nagel" am Sedlitzer See ist 30 Meter hoch und nur gut zu Fuß auch erlebbar. Etwa 500 000 Euro wurden im Jahr 2008 investiert.

Und auch dieser Goliath und dieser David sind in der Erwartung errichtet worden, Ankerpunkte für die Zukunft in geschundenen Bergbaufolgelandschaften zu werden. In der Lausitz ist das aufgegangen. 44 Millionen Euro schwer wiegt das Finanzpaket, das direkt durch die IBA-Gesellschaft in Zukunftsprojekte investiert wurde. "Ich habe damals gegen den Bau der Landmarke gestimmt, weil ich dachte, wir hätten wichtigere Probleme", erklärt Jürgen Bretschneider (Wir für Senftenberg). "Heute bin ich sehr froh darüber, dass ich zu den Stadtverordneten gehöre, die die Mehrheit überstimmt hat."

Den Menschen fehle oft die Vorstellungskraft für Entwicklungen in großen Zeiträumen, bestätigt Indeland-Geschäftsführer Jörg Bröker. Deshalb sei es so schwer, sie auf dem Weg mitzunehmen. Das passende Werkzeug für das Vermeiden des drohenden Strukturbruchs im Rheinischen Braunkohlerevier und für den geordneten Strukturwandel, der regionale Stärken nutze und neue Chancen initiiere, sei hier noch nicht gefunden. Rolf Kuhn regt an, jungen Leuten aus dem Indeland mit dem noch aktiven Tagebau deshalb in der Lausitz zu zeigen, dass sie eine lebenswerte Zukunft gestalten und in ihrer Heimat bleiben können. Die Indelander indes sind ein gutes Vorbild dafür, den Bergbautreibenden über gesetzliche Rückstellungen für die Nachsorge hinaus auch in seine Verantwortung für die Regionalentwicklung nach der Kohle zu zwingen. Mit Allmosen, die jedes Dorf einzeln mit einer Grillhütte friedlich stimmen, ist es nicht getan, so Bröker. Die Inden-Tagebau-Anrainer sind deshalb an einem für 70 Millionen Euro errichteten Windpark direkt beteiligt. Dagegen profitiert vom etwa 350 Hektar großen Solarpark Meuro keine Lausitzer Gemeinde.