Der User "Einervonhier" hat auf lr-online.de/lausitz2030 den Leitspruch der Musketiere zitiert, um seine Ansicht zu dem seit Januar laufenden Denk- und Diskussionsforum "Lausitz 2030" auf den Punkt zu bringen: "Einer für alle, alle für einen." Aus dessen Sicht ist diese brandenburgisch-sächsische Region nur gemeinsam stark. "Danke, LR", schreibt er. "Mit diesem Forum zur Zukunft der Lausitz nehmen Sie die Verantwortung wahr, die man von einer lokalen Zeitung erwarten darf." Für "Einervonhier" ist bei der Beantwortung der Frage "Wie leben die Lausitzer im Jahre 2030?" klar: "Nur wenn wir in der Lausitz unsere Kompetenzen bündeln, wenn wir uns als eine Region von Guben bis Falkenberg, von Lübben bis Bautzen verstehen und miteinander in Potsdam, Dresden und Berlin für unsere Interessen kämpfen, dann werden unsere Kinder hier eine Zukunft haben. Dazu zählt auch ein neues Selbstbewusstsein als Lausitzer."

Die bisherigen fünf Gastbeiträge aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft gehen allesamt auf das Wir-Gefühl ein. Selbst der Vize-Chef des Dresdner Ifo-Institutes Professor Joachim Ragnitz, der auf ein düsteres Szenario mit 20 Prozent Bevölkerungsrückgang verweist, bricht eine Lanze für mehr "zivilgesellschaftliche Initiativen". Sie müssten dort einspringen, wo sich in ländlichen Regionen "staatliche Institutionen oder gewinnorientierte Akteure zurückziehen". Es geht also um neue (oder vernächlässigte Formen) des bürgerschaftlichen Engagements, die von Bund und Ländern finanziell zu unterstützen seien.

Der Wissenschaftler Ragnitz schreibt der Politik zudem ins Stammbuch, "Strategien der regionalen Entwicklung für jene Teilregionen der Lausitz zu entwickeln, die aufgrund ihrer stand-örtlichen Gegebenheiten für die klassischen Adressaten staatlicher Förderpolitik nicht infrage kommen".

Der Ausflug von Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger in die Literatur zum italienischen Dichter Dante Alighieri (13. Jahrhundert) ist zweifellos eine Handlungsmaxime: "Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt. Der andere packt sie kräftig an und handelt." Der CDU-Politiker ist überzeugt, "dass sich unsere Bevölkerungsentwicklung weiter stabilisiert. Dafür investieren wir in die regionalen Schul- und Ausbildungsangebote, die durch die hochleistungsfähige Wissenschaftslandschaft der BTU Cottbus-Senftenberg ergänzt werden".

Eine leistungsfähige regionale Wirtschaft mit einem starken Mittelstand sowie schnelle Verkehrsanbindungen an die großen Mittelzentren seien die Garanten für gute Job- und Verdienstchancen in der Lausitz. Altekrügers Vision: "Wir sind 2030 nicht mehr nur die Region der Zurückgebliebenen und Rückkehrer. Die Menschen entscheiden sich ganz bewusst für ein Leben bei uns."

Damit hat Altekrüger aufgegriffen, worauf Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sein Augenmerk gelegt hat: Vor dem Hintergrund der auf absehbare Zeit unverzichtbaren Braunkohle gebe es eine breitere industrielle Basis, Handwerk und Dienstleistungsbranche seien leistungsfähig. "Es gibt attraktive Jobs, die es jungen Menschen ermöglichen, sich ein Leben beispielsweise in Finsterwalde, Spremberg oder Cottbus aufzubauen. Und dafür sorgen, dass es ganze Familien aus Bayern oder Schwaben wieder zurück in die Lausitzer Heimat zieht", schildert Woidke.

Hier erfüllen sich bereits Visionen des Regierungschefs, ohne dass nicht noch eine Menge übrig bleibe. Woidke nennt die Lausitz als Vorreiterin in Sachen erneuerbarer Energien, Stromspeichertechnologien und Netzausbau. Er hofft darauf, dass "die gewaltigen Potenziale des Seenlandes" gehoben werden. Er sieht die Lausitz als positives, selbstbewusst anpackendes Beispiel für den demografischen Wandel deutschlandweit.

Offenbar stimmt er hier mit Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) überein, der davon überzeugt ist, "dass in 15 Jahren keine Rede mehr von Wegzug sein wird". Schon heute seien Arbeitslosigkeit und Abwanderung deutlich zurückgegangen. Tillich sieht die Lausitz im Jahr 2030 als "eine Region mit einer kontinuierlich wachsenden Wirtschaft, die attraktive Arbeitsplätze bietet". Stattdessen würden wieder mehr Menschen in die Lausitz ziehen und hier ihre Heimat finden. Für Tillich steht außer Frage, dass der heimische Energieträger Braunkohle auf diesem Weg gebraucht wird - für sicheren und bezahlbaren Strom, als Brückentechnologie für die erneuerbaren Energien und zunehmend auch für die stoffliche Nutzung.

Der Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus Wolfgang Krüger zeichnet seine Visionen, nicht ohne Aristoteles voranzustellen: "Zur Wahrscheinlichkeit gehört auch, dass das Unwahrscheinliche eintreten kann." Was für Krüger aber beständig gilt: "Zukunft beginnt immer jetzt." Deshalb fordert er von allen gesellschaftlichen Kräften, voran die Landespolitik, sofort damit zu beginnen, die Lausitz "zukunftssicher" zu machen. Falls dies gelingt, könnte aus seiner Sicht ein positives Szenario für die Lausitz im Jahr 2030 so aussehen:

Die industrielle Produktion wird weltweit auf kohlenstofffreie Wertschöpfungsketten umgestellt. Die Lausitzer Unternehmen haben entscheidende Kompetenzen für diesen Strukturwandel entwickelt und erschließen sich - vor allem in Osteuropa - neue Märkte.

An der BTU Cottbus-Senftenberg herrscht ein Klima, bei dem akademische und unternehmerische Spitzenleistungen Hand in Hand gehen. Die Professoren besitzen die Freiheit, Unternehmen zu gründen und sie in die Wirtschaftlichkeit zu führen. Neben der Lausitzer Universität haben sich mehrere exzellente außeruniversitäre Forschungseinrichtungen etabliert, aus denen innovative Firmengründungen hervorgehen.

Die Lausitz bietet in einer naturnahen Umwelt optimale Wohn- und Lebensqualität mit guter infrastruktureller Grundversorgung. Weil zudem kurze Wege in die Ballungsräume Berlin, Dresden und Leipzig bestehen, hat sich ein neuer, stabiler Mix aus Jung und Alt in der Region entwickelt.

Um mit dem RUNDSCHAU-User "Einervonhier" zu sprechen: Für eine solche Lausitz 2030 gilt es, wie die Musketiere zu kämpfen.

Zum Thema:
Heute leben in der Lausitz deutlich weniger Menschen als noch vor zwei Jahrzehnten. Und diese Entwicklung geht weiter. Wie sieht die Lausitz im Jahr 2030 aus? Die RUNDSCHAU widmet sich seit Januar diesem Thema. In der Serie "Lausitz 2030" äußern sich Gesprächspartner aus Politik, Wirtschaft, Kultur und öffentlichem Leben. Mischen auch Sie sich ein und diskutieren Sie mit!Im Internet: www.lr-online.de/lausitz2030