Eine Antwort auf diese Frage haben die Mitarbeiter des Pflegestützpunktes in Cottbus im vergangenen Quartal mit rund 500 Ratsuchenden gesucht.

"Wir versuchen einen Eindruck zu gewinnen, ob derjenige, der zu uns kommt, wirklich in der Lage ist, den Angehörigen zu pflegen. Gibt es vielleicht Familienmitglieder, also Kinder oder Enkelkinder, die dabei helfen können", sagt Antonia Wecke, deren Fokus als Sozialberaterin vor allem darauf liegt, wie pflegende Angehörige unterstützt werden können, um die psychischen und körperlichen Belastungen zu tragen.

Schaffe ich das wirklich?

Angehörige müssen sich bewusst werden, dass Pflege emotional enorm belastend sein kann. Dies sollte bei der Wahl der Betreuungsform berücksichtigt werden. "Manche wollen nicht wahrhaben, wie groß die Belastung und wie schlecht der Zustand der Angehörigen ist", sagt Sozialberaterin Antonia Wecke.

Deswegen sollten Angehörige ehrlich zu sich sein und sich von Schuldgefühlen lösen. "Wenn das Thema stationäre Betreuung angesprochen wird, haben viele Schuldgefühle, sagen: ,Ich habe geschworen, dass mein Partner oder meine Eltern nie ins Heim kommen'. Aber viele haben sich dann noch gar keine Pflegeeinrichtung angeschaut. Wir empfehlen ihnen dann, das zu tun", sagt Antonia Wecke. So seien viele Pflegeeinrichtungen besser als ihr Ruf.

Großes soziales Umfeld hilft

Eine weitere zentrale Frage bei der Entscheidung, ob ein Angehöriger zu Hause gepflegt werden kann, ist: Habe ich die Zeit dazu? Vor allem berufstätige Angehörige können eine Rundum-Betreuung oft nicht leisten. Wenn das soziale Netzwerk groß ist, Kinder, Verwandte, Nachbarn oder Freunde mithelfen, kann die Betreuung eines pflegebedürftigen Angehörigen oftmals vollständig über das familiäre Umfeld abgedeckt werden, wie Antonia Wecke aus Erfahrung weiß.

Wie viel Hilfe ist notwendig?

Ob ein Angehöriger zu Hause gepflegt werden kann, hängt auch von der Pflegebedürftigkeit des Betroffenen ab. Reicht Hilfe bei der Körperhygiene, beim Essen und im Haushalt aus oder ist Intensivbetreuung notwendig.

Vor allem dann, wenn der Pflegebedürftige im Bett gedreht oder aber gehoben werden muss, etwa auf den Roll-, den Toilettenstuhl oder unter die Dusche, müssen sich die Angehörigen darüber bewusst sein, dass dies sehr anstrengend ist und viel körperliche Kraft erfordert.

Deshalb empfiehlt Sozialberaterin Stefanie Barth vom Cottbuser Pflegestützpunkt Angehörigen, nicht mit sich zu hadern, wenn sie merken, dass sie die Betreuung alleine nicht stemmen können: "Man sollte Hilfe annehmen und damit auch ,Selbstpflege' betreiben." Denn um dauerhaft für den erkrankten Ehepartner da sein zu können, muss man psychisch und körperlich stabil sein.

Pflegedienste als Unterstützung

Wenn möglich, raten die Mitarbeiterinnen des Cottbuser Pflegestützpunktes zu einer Versorgung im gewohnten Umfeld der Pflegebedürftigen. "Es ist gut, wenn die Betreuung beim Pflegebedürftigen zu Hause ermöglicht werden kann. Generell geht ambulant vor stationär", sagt Annekatrin Lerche, die als Pflegeberaterin Ratsuchende unterstützt. Ein ambulanter Pflegedienst kann die Versorgung zu Hause absichern. Dieser kommt je nach Bedarf einmal oder mehrmals täglich und hilft dem Pflegebedürftigen beispielsweise beim Waschen, Anziehen, beim Essen, erledigt Einkäufe oder verabreicht Medikamente. Und leistet damit einen Beitrag zur Entlastung von Angehörigen, die aus beruflichen Gründen ihre Angehörigen nicht regelmäßig selbst versorgen können. Zudem gibt es laut dem "Ratgeber zur Pflege" vom Bundesgesundheitsministerium die Möglichkeit, selbstständige Pflegekräfte zu engagieren, vor allem dann, wenn durch deren Einsatz "den besonderen Wünschen von Pflegebedürftigen zur Gestaltung der Pflege Rechnung getragen werden kann".

Eine andere Möglichkeit für berufstätige Angehörige, bei der Pflege entlastet zu werden, ist die teilstationäre Betreuung. Die Pflegebedürftigen werden tagsüber (Tagespflege) oder nachts (Nachtpflege) in entsprechenden Einrichtungen betreut. Gewährt wird dies laut "Ratgeber zur Pflege", wenn die Pflege zu Hause nicht ausreichend möglich ist.

Zu Hause nicht immer möglich

Auch wenn der Pflegebedarf zu groß und dies körperlich oder psychisch für den Angehörigen nicht zu bewältigen ist, sollte von einer Pflege zu Hause abgesehen werden. So ist die Betreuung von Demenz-Kranken, die körperlich und geistig stark abbauen, für Angehörige oft nicht zu bewältigen. "Demenzpatienten verlassen etwa die Wohnung und irren umher. Dann ist eine stationäre Betreuung meist besser", so Pflegeberaterin Annekatrin Lerche.

Auch Pflegebedürftige, deren Familienmitglieder weit weg wohnen oder die alleine sind, sind meist auf vollstationäre Betreuung angewiesen.

Laut "Ratgeber zur Pflege" gibt es verschiedene Varianten dieser Betreuungsform. In Altenheimen werden die Pflegebedürftigen in Wohnungen oder Appartements untergebracht. Die Hauswirtschaft und die Pflege werden von den Mitarbeitern übernommen. In Altenwohnheimen sind die Wohnungen meist noch mit einer kleinen Küche ausgestattet.

In Pflegeheimen werden die Bewohner pflegerisch und hauswirtschaftlich versorgt und betreut. Sie leben in Einzel- oder Doppelzimmern, die in der Regel mit Möbeln von Zuhause eingerichtet werden können.

Alternativen zum Pflegeheim

Es gibt aber noch weitere Alternativen, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. "Mittlerweile gibt es auch besondere Wohngemeinschaften, beispielsweise für Demenzkranke", sagt Sozialberaterin Antonia Wecke. Die Gründung einer Senioren-WG, in der die pflegerische Versorgung gemeinsam organisiert wird oder Mehrgenerationenhäuser sind weitere Alternativen. Eine andere Möglichkeit ist das sogenannte "Service-Wohnen", welches von Wohnungsgenossenschaften oder etwa sozialen Trägern angeboten wird. Die Wohnungen sind in der Regel barrierefrei. Weitere Angebote können variieren. Möglich ist ein Concierge-Dienst, der Post entgegennimmt und ankommende Besucher anmeldet. Einige Service-Wohnanlagen haben im Erdgeschoss auch einen Friseur, einen Zeitungsladen oder einen kleinen Einkaufsladen integriert, um den Bewohnern kurze Wege zu ermöglichen.

Individuelle Situation entscheidet

Welche Betreuungsform geeignet ist, hängt von der Situation des Pflegebedürftigen und den Angehörigen ab.

Deshalb werfen die zurzeit drei Mitarbeiterinnen vom Pflegestützpunkt Cottbus einen umfassenden Blick auf die Lebensumstände derer, die zu ihnen in die Beratung kommen. Sozialberaterin Antonia Wecke: "Das muss ganz individuell betrachtet werden."

In ausführlichen Gesprächen wird dann gemeinsam mit den Angehörigen ein Weg gesucht, um eine optimale Betreuung des pflegebedürftigen Familienmitgliedes zu gewährleisten.

Zum Thema:
Die Beratungen durch die Mitarbeiterinnen vom Pflegestützpunkt Cottbus erfolgen unabhängig und kostenlos. Ratsuchende können unangemeldet zu den Sprechzeiten dienstags von 9 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr sowie donnerstags von 9 bis 12 Uhr und 13 bis 18 Uhr in das Büro des Pflegestützpunktes im Rathaus (Neumarkt 5) kommen. Außerhalb der Sprechzeiten ist eine Beratung nach Vereinbarung möglich. Zudem gibt es die Möglichkeit, Termine für einen Hausbesuch zu vereinbaren.Telefonisch ist der Pflegestützpunkt in Cottbus erreichbar unter 0355 612-2510 oder -2511 (Pflegeberatung) oder unter 0355 612-2512 (Sozialberatung).