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Für den Glauben einstehen

Für die evangelische Kirche im Land ist es ein großes Hoffnungszeichen: Immer mehr Menschen in Berlin, Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz finden den Weg in ein Pfarramt, um sich als Erwachsene taufen zu lassen oder sich mit der Konfirmation auch als Erwachsene noch einmal zu ihrer Kirchenmitgliedschaft zu bekennen. Von benjamin lassiwe

Auch im Sprengel Cottbus lassen sich Jahr für Jahr rund 300 Menschen als Erwachsene taufen, obwohl die Zahl der Einwohner in der Region beständig zurückgeht. Darüber freut sich Generalsuperintendentin Heilgard Asmus. "Für mich ist ohnehin jeder einzelne Mensch, der sich taufen lässt, ein Geschenk - nicht nur für die Kirche, sondern auch für die Welt." Und die Taufgottesdienste gehören für die Theologin zu den schönsten Momenten in der Kirche, denn sie seien mehr als nur ein buntes Familienfest. "Es ist eine Sache mit Signalwirkung: Man steht öffentlich für seinen Glauben ein und übernimmt damit auch eine gewisse Verantwortung - in der Kirche, aber auch für die Kirche in der Welt."

Rückbesinnung auf Gott
Eine von denen, die in den vergangenen Jahren den Schritt in die Kirche wagten, ist Martina N. aus Guben. 43 Jahre alt, als Kind katholisch getauft, in einer Familie, in der nur noch der Opa gläubig war. Daran, dass es einen Gott gibt, habe sie immer geglaubt. "Aber meinen Glauben habe ich nie wirklich leben können", sagt die Gubenerin. Kontakt zum Pfarrer und zur örtlichen Gemeinde hatte sie nie. Dann wurde Martina N. arbeitslos und im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in der evangelischen Kirchengemeinde beschäftigt. Die Gubenerin fand Gefallen an dem, was sie sah und erlebte, und ließ sich 1998 zusammen mit ihrem Sohn konfirmieren. Heute hilft sie als Ehrenamtliche in der Gemeinde mit, macht Küsterdienste, Geburtstagsbesuche und bereitet Feste vor. "Mein Mann sagt immer: Am Besten, wir stellen dir dein Bett im Gemeindehaus auf."
Oder Anja P., ebenfalls aus Guben. Auch für sie war der Glaube immer ein Teil des Lebens, vor allem durch ihre Mutter. "Sie hat alle Fragen immer mit ihrem Glauben beantwortet, auch zu DDR-Zeiten", erinnert sich die Neißestädterin. "Irgendwie hat sie es immer geschafft, auf alle Fragen fand sie eine Antwort." Die Taufe hingegen empfahl die Mutter nie. "Mein Vater hätte es nicht gestattet, er war Lehrer und das im Sozialismus", erinnert sich die Gubenerin. Erst als Erwachsene wagte sie es, sich mit der Taufe zu ihrem Glauben zu bekennen. "Irgendwie war das ein Stück Lebensqualität, das ich da hinzugewonnen habe", sagt Anja P. heute. "Ich weiß zum Beispiel, ich kann zu meinen Fehlern stehen - denn egal, was geschieht, Gott wird sie mir verzeihen." Doch obwohl immer mehr Menschen in die Kirche zurückkehren oder sich neu zum Glauben bekennen: Die Taufe ist heute nicht mehr selbstverständlich. Schon gar nicht für Erwachsene. "Nachbarn und Freunde gucken einen oft schief an", sagen die beiden Gubenerinnen, die deswegen auch auf keinen Fall mit ihrem vollen Namen in der RUNDSCHAU stehen möchten. "Viele, die nicht an Gott glauben, halten das, was wir gemacht haben, wohl für ziemlich absurd."
Ähnliche Erfahrungen machte auch Cathleen Schaarschmidt aus Cottbus. Als sie ihren Ehemann kennen lernte, entdeckte sie bald, dass er "nicht nur gut aussah, sondern auch ein aktives Mitglied der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Cottbus war". Auch die künftige Braut wurde daraufhin neugierig auf die Bibel. Immer mehr beschäftigte sie sich damit, "und dann geschah etwas Merkwürdiges: Alle Probleme, die irgendwo auftauchten, schienen sich plötzlich wie von selbst zu lösen", sagt die Cottbuserin. "Und irgendwann wusste ich: Gott existiert und hilft mir weiter." Cathleen Schaarschmidt, die aus einer kirchenfernen Familie stammt, entschied sich für die Taufe. Fortan kam Prediger Andreas Rudolph mehrere Wochen lang zu intensiven Gesprächen über Gott und die Welt in die Wohnung des jungen Ehepaares - denn vor die Taufe haben die Kirchenordnungen den Unterricht gesetzt .

Was die Bibel heute bedeutet
"Schließlich wird man in der Taufe in die evangelische Kirche aufgenommen, und bekennt sich dabei zu seinem Glauben - da muss man auch wissen, was das eigentlich ist", sagt Pfarrer Matthias Berndt aus Guben. In der Neißestadt, aber auch in vielen anderen Orten im Land, bietet die evangelische Kirche deswegen regelmäßig Taufkurse an. An mehreren Abenden sprechen die Teilnehmer dabei über die Grundlagen des Christentums. Etwa darüber, was die Bibel heute bedeutet oder wer eigentlich dieser Jesus war, von dem man in der Kirche immer so viel hört. Schließlich werden die Interessierten am Ende des Kurses in einem festlichen Gottesdienst getauft und dabei in die Landeskirche aufgenommen. "Kommen kann aber jeder, ganz unverbindlich, auch wenn die Entscheidung am Ende gegen die Taufe und die Kirchenmitgliedschaft ausfallen sollte", betont der Theologe. Nur eine vorherige Anmeldung im zust& auml;ndigen Pfarramt ist aus Sicht des Pfarrers wünschenswert.