Seine Tollität Prinz Dirk II. feierte gern bis zum Morgengrauen und genoss mit seiner Prinzessin Anita den Trubel der laufenden Karnevalssession. Doch nach einem RUNDSCHAU-Bericht über das närrische Pärchen meldeten sich empörte Gläubiger zu Wort: Dirk Kresse ist vorbestraft, hat mehr als 100 000 Euro Schulden und mehr Ärger am Hals, als ihm lieb sein kann.

„Es gibt so viele Menschen, die er ins Unglück gestürzt hat“, sagte ein früherer Geschäftspartner gegenüber der RUNDSCHAU. „Und einige Gläubiger wollen ihn beim Zug der fröhlichen Leute am Sonntag gebührend feiern.“

Auch beim „Karnevalsverband Lausitz 1990 e.V.“ hat man inzwischen Befürchtungen, dass der diesjährige Prinz kein gutes Aushängeschild für die Region ist. Die Beschwerden über die dunkle Vergangenheit des Prinzen häuften sich in den vergangenen Tagen.

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Dr. Wolfgang Bialas, Kanzler der Ehrensenatoren des Verbandes: „Wir wurden kurzfristig von unserem Präsidenten über die Vorgeschichte des Prinzen informiert. Wir haben einstimmig beschlossen, dem Präsidenten zu empfehlen, dass Prinz Dirk II. ab sofort nicht mehr an öffentlichen Auftritten teilnimmt.“ Dirk Kresse solle nicht mit zum Empfang bei Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) reisen. Auch sein Ehrenplatz beim Zug der fröhlichen Leute am Sonntag wird ihm wohl verwehrt bleiben: Das Kinderprinzenpaar soll statt seiner in der Kutsche an der Spitze des Zuges – der größte seiner Art in Ostdeutschland – sitzen. Bialas: „So soll Schaden von Herrn Kresse und vom Lausitzer Karneval abgewendet werden.“

Einer, der den Stein für diese kleine „Programmänderung“ ins Rollen gebracht hat, ist der Bauunternehmer Klaus Wiese* aus dem Spree-Neiße-Kreis. Wiese und Kresse hatten vor einigen Jahren mit einem weiteren Kompagnon eine Baufirma betrieben. Wiese war damals für den handwerklichen Bereich verantwortlich, Kresse übernahm das Kaufmännische. „Wir hatten gut zu tun“, erinnert sich Wiese. Je nach Auftragslage sechs bis sieben Angestellte, der Betrieb lief über ein Jahr lang gut.

Irgendwann aber flatterten dem Handwerker Wiese Mahnschreiben an seine Privatadresse. Er wurde stutzig, forschte nach und versank in einem Sumpf aus undurchsichtigen Konto-Bewegungen, nicht bezahlten Abgaben und Rechnungen.

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Das Cottbuser Amtsgericht hatte schließlich zu klären, wie genau das kaufmännische Gebaren des späteren Karnevalsprinzen zu bewerten sei. „Untreue, Steuerhinterziehung und Vorenthalten von Arbeitsentgelt“ hieß im Justiz-deutsch, was letztlich simpel in der Durchführung war: Kresse ließ Rechnungen nicht auf Firmen- sondern auf Privatkonten überweisen, lenkte Barschecks auf unbekannte Bankkonten um, zahlte für Angestellte zeitweise keine Krankenversicherungsbeiträge.

Das Amtsgericht verhängte im Dezember 2004 eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Einer Haftstrafe entging Kresse damals nur, weil er sich im Prozess geständig zeigte und wegen seiner damals noch intakten ersten Ehe eine stabile Sozialprognose erhielt. Die Ehe zerbrach in der Folgezeit.

Heute ist Kresse, 54, mit seiner Karnevals-Prinzessin Anita, 25, liiert. Beide arbeiten zusammen in einem Cottbuser Gästehaus. „70 bis 80 Prozent Auslastung“, erzählte er noch vor Kurzem in der RUNDSCHAU. Trotzdem strengte der Besitzer des Gästehauses, der Energiekonzern Vattenfall, im vergangenen Jahr ein Verfahren gegen Kresse an – er hatte 13 000 Euro Pachtschulden angehäuft. Dieses Geld zahlte er zwar kürzlich, offen sind aber weiterhin rund 120 000 Euro, die er nach einem Urteil des Landgerichts an den Insolvenzverwalter der ehemaligen Baufirma zahlen muss. „Gesehen habe ich aber bis heute keinen Cent“, klagt der Handwerker, der sich inzwischen mit einem Einmannbetrieb selbstständig gemacht hat.

Warum sich der Prinz ungerecht behandelt fühlt: Mehr dazu auf Seite 4.

Für Dirk Kresse kommen alle diese Vorwürfe überraschend. „Für die Schulden bin ich doch bestraft worden, jetzt bin ich rehabilitiert.“ Er fühlt sich als Opfer einer üblen Kampagne. „Ich habe damals die Strafe auf mich genommen und mich jetzt mühsam wieder nach oben gearbeitet. Mit meinem Ehrenamt wollte ich in der Öffentlichkeit zeigen, dass ich wieder voll da bin.“

Aktuelle Vorwürfe, die ehemalige Mitarbeiter gegen seinen Betrieb erheben, kommentiert seine Lebensgefährtin „Prinzessin“ Anita Katzer: „Wir gehen gegen solchen Rufmord vor. Das sind Leute, die früher bei uns gearbeitet haben und ihre Kündigung nicht verkraftet haben.“ Das sei zwar stressig, letztlich seien strittige Auseinandersetzungen im Wirtschaftsleben an der Tagesordnung.

*Name von der Redaktion

geändert