Mächtig erhebt sich der dreistöckige Bau mit mehrgeschossigem Schiefer-Mansarddach über dem dörflichen Niederlugau. Säulen an allen vier Ecken und spitzgieblige Mansardenfenster würden eher ein Herrenhaus denn eine Fabrik vermuten lassen. Erschrecken löst der Zustand der Meinertsche Spinnmühle aus: Im Dach klafft über zwei Etagen und zwei Fensterbreiten ein Loch, die Balken dahinter liegen wie Mikadostäbe kreuz und quer. An vielen Stellen fehlt der Putz, Regenrinnen gibt es nicht mehr.Aufruf im Internet "Es ist ein Skandal", sagt der Leipziger Architekt und stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Werkbundes, Bernd Sikora. Aus seiner Sicht ist das Baudenkmal von offizieller Seite vergessen worden. Bedeutung habe nicht nur der Bau an sich, sondern auch die Erinnerung an die Bauherren. Die Gebrüder Meinert entstammten einem reichen Oelsnitzer Bauerngeschlecht und seien damals zu einer Welthandelsfirma aufgestiegen. Sikora oder privat engagierte Denkmalschützer wie der Chemnitzer Sandro Schmalfuß würden den Verfall gern verhindern. Schmalfuß hat das Gebäude über mehrere Jahre in Fotos dokumentiert und jetzt im Internet einen Aufruf zur Rettung gestartet. Doch es gibt offenbar keine Einflussmöglichkeit. Nach Auskunft von Bürgermeister Thomas Weikert (Die Linke) gehört die Spinnmühle einem Mann aus dem italienischen Brescia, der sie 2006 in Deutschland weiter verkaufen wollte. "Als Denkmal ist das Gebäude erhaltenswert, doch für die Stadtentwicklung spielt es keine Rolle", sagt Weikert. Ohne Sicherungsmaßnahmen in kürzester Zeit sei die Spinnmühle verloren. Auch aus Sicht des Leiters der Bauaufsicht im Erzgebirgskreis, Christoph Hermann bestehen keine Chancen auf Erhaltung. Den Behörden sei kein Vorwurf zu machen, da sich das Gebäude in Privathand befinde. Auf Einhaltung der Verkehrssicherungspflicht werde geachtet, es gehe keine Gefahr für Menschen von der Fast-Ruine aus. Im Landesamt für Denkmalpflege kann man nicht mehr, als die Bedeutung des palastartigen Objekts als Vorläufer des Industriebaus hervorheben. Dabei gäbe es im Erzgebirge weitere beklagenswerte Fabriken, bei denen die Verfallsuhr ticke. Klamme KassenDer Präsident der Landesdirektion Chemnitz, Karl Noltze, der bis zur Verwaltungsreform 2008 auch die Obere Denkmalbehörde im Hause hatte, bezieht zu solchen Denkmalen eine klare Position: "Das ganze Alte herumstehen zu lassen, kostet Geld, das die öffentliche Hand nicht hat." Mit der Bernhardschen Spinnerei in Chemnitz sei die älteste Spinnerei Sachsens erhalten und als Pflegeheim vernünftig umgenutzt worden. Auch für die "Alte Baumwolle" in Flöha gäbe es ein Sanierungs- und Nutzungskonzept, das mit EU-Mitteln schrittweise umgesetzt werde. Aber viel mehr sei nicht nötig und sinnvoll.