Während der Einzelhandel die Kaufzurückhaltung der Kunden beklagt, brummt im Dresdner Sozialkaufhaus das Geschäft. „Ein Kaufhaus für jedermann mit kleinen Preisen“ , sagt Projektleiterin Sylvia Restel. Eine Abteilung weiter: Die Sozial-Warenhalle für die Ärmsten. Die Währung hier sind Punkte. Ein Punkt – das sind fünf Kindersachen, die Damen-Sommerjacke oder der Herrenanzug. Ein Speiseservice kann bis zu vier Punkte kosten.
Fünf Punkte bekommt monatlich derjenige, der den Dresden Pass der Stadtverwaltung besitzt. „Etwa 2500 Kunden kommen im Monat in diesen Teil des Hauses. Bis zu 120 lassen sich neu registrieren“ , sagt Restel. Die Kundschaft werde immer größer, die Spenden gingen hingegen zurück. „Die Leute nutzen ihr Geschirr länger als früher, Kindertextilien werden zunächst an Verwandte und Bekannte weitergegeben“ , sagt sie.
Seit 1996 gibt es das Sozialkaufhaus unter dem Dach der städtischen Qualifizierungs- und Arbeitsförderungsgesellschaft. Hinter den Kaufhallentüren halten mehr als 125 Ein-Euro-Jobber den Laden am Laufen: Sie waschen, bügeln, nehmen Spenden an, fahren zu Haushaltsauflösungen oder liefern aus. In Werkstätten werden Möbel aufgearbeitet oder Elektrosachen geprüft.
Im Sozial-Kaufhaus in Bischofswerda gibt es fast alles. „Junge Familien können die komplette Erstausstattung ihrer Wohnung hier bekommen, vom Kaffee-Löffel über Fernsehgerät und Computer bis zu Lampen, Schrankwand und Betten“ , sagt Leiter René Gürth. Nur Küchenmöbel seien knapp, wie auch Waschmaschinen, Kühlschränke und Küchengeräte. Seit zweieinhalb Jahren gibt es das Kaufhaus. „Früher kamen im Monat etwa 300 Leute, jetzt sind es 800 bis 900 – vom Azubi bis zum Rentner“ , sagt er. Eine Matratze gibt es für etwa zehn Euro, eine Liege für 20 Euro. Gürth: „Wenn einer sehr arm dran ist, können beim Preis Abstriche gemacht werden. Das wird individuell entschieden.“
Auch das Umsonstkaufhaus in Niesky (Landkreis Görlitz) hat immer mehr Zulauf, beobachtet Teamleiterin Undine Siegert. „Die Tendenz ist steigend.“ In den vergangenen Wochen waren vor allem Schulsachen heiß begehrt. Kaufen dürfen nur Leute mit Hartz-IV-Bescheinigung: Monatlich drei Bekleidungsstücke und zweimal im Jahr Gebrauchsgegenstände.