| 02:43 Uhr

Führungsstreit: Henkel tritt als AfD-Vize zurück

Hans- Olaf Henkel.
Hans- Olaf Henkel. FOTO: dpa
Berlin. Der Machtkampf bei der Alternative für Deutschland (AfD) eskaliert: Der stellvertretende Parteichef Hans-Olaf Henkel erklärte am Donnerstag mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt aus dem Bundesvorstand. In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" begründete der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie dies mit Versuchen von "Rechtsideologen", die Partei zu übernehmen. dpa/sm

Außerdem klagte er über "charakterliche Defizite" von anderen führenden AfD-Politikern.

Henkel warnte seine Partei vor dem Untergang, falls der Richtungsstreit nicht geklärt werde. "Dann wird die AfD scheitern. Das ist meine feste Überzeugung." Zugleich versicherte er: "Ich werde mich weiterhin für die Partei einsetzen - aber nur dort, wo man sich an die Grundsätze unserer Partei hält." Der 75-Jährige sitzt seit vergangenem Jahr für die AfD im Europaparlament. Die AfD liegt in Umfragen derzeit bei bundesweit etwa sechs Prozent. Bei der Bundestagswahl 2013 war sie an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert.

AfD-Chef Bernd Lucke will im Richtungsstreit mit einem Mitgliederentscheid für Klarheit sorgen. In einem Schreiben an die Parteimitglieder bittet er dringend darum, einem Entscheid zuzustimmen, der jeglichen Kontakt mit "Organisationen im Dunstkreis des Rechtsradikalismus" untersage. Der Vorstoß gilt als Kampfansage an den rechten Parteiflügel. Für einen solchen Entscheid sind laut Satzung die Unterschriften von mindestens drei Prozent der Mitglieder nötig.

Der Bundes-Vize und Brandenburger AfD-Chef Alexander Gauland zählt zu den Gegnern Luckes und Henkels. Er hatte Lucke für dessen Haltung gegenüber dem von einer Steueraffäre betroffenen nordrhein-westfälischen Landeschef Marcus Pretzell scharf kritisiert. Im "Handelsblatt" warf er Lucke vor, die AfD spalten zu wollen.