Reddon beschreibt ein Problem, das sich vielen Hilfsorganisationen im Libanon stellt. Ihre Lagerhäuser in den Nachbarländern - nur wenige Flug- oder Fahrtstunden entfernt - sind gefüllt. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) etwa hat seine Logistikbasen auf Zypern und in Jordanien eingerichtet. Erst am Dienstag sind zwei Frachtmaschinen von Genf nach Zypern geflogen. Aber der Weg ins Krisengebiet ist schwierig und gefährlich.
Dabei ist Beirut grundsätzlich über Luft, See und Straße noch erreichbar. Weit größere Hindernisse begegnen den Hilfsorganisationen im Südlibanon. So scheint die Hafenstadt Tyrus weitgehend abgeschnitten. Die Verbindungsstraße ins weiter nördlich gelegene Sidon sei unterbrochen, sagt Reddon. Ein von Zypern kommendes IKRK-Schiff musste den Kurs ändern; Nahrungsmittel, Wasser und Sanitärausstattung gingen nach Sidon statt nach Tyrus. Zwei Tanker warten außerhalb der libanesischen Hoheitsgewässer - mit Treibstoff, ohne den nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO bis Ende der Woche über die Hälfte der Krankenhäuser ihren Betrieb einstellen müssen.
"Die Situation ist sehr traurig und sie verschlimmert sich noch", sagt Christiane Berthiaume vom Welternährungsprogramm WFP. Das WFP organisiert die Logistik für die übrigen UN-Hilfsorganisationen in einer Gegend, wo die Bomben immer mehr Straßen und Brücken zerstören. Jeden Transport meldet es bei Israel und der Hisbollah an und wartet dann auf grünes Licht. "Aber das bedeutet keine 100-prozentige Sicherheit. Jede Seite behält sich vor einzugreifen, wenn die andere sich einen Vorteil zu verschaffen versucht." Erst am Sonntag geriet ein WFP-Transport bei Tyrus unter Beschuss. Seitdem sei es immer schwieriger, Fahrer zu finden.
Voraussichtlich wird es aber vorerst ohnehin keine Konvois nach Tyrus geben. Israel habe angekündigt, in den nächsten zwei Tagen keine Transporte dorthin zu erlauben, sagt Berthiaume. Im Moment sei der Süden des Landes eine "No-Go-Area", heißt es beim UN-Kinderhilfswerk Unicef.
Das Rote Kreuz hat allerdings nach eigenen Angaben noch von Tyrus aus Nahrung und Treibstoff in Dörfer südlich der Hafenstadt gebracht. Aber insgesamt wissen Hilfsorganisationen nicht einmal genau, was in den Dörfern im Hinterland von Tyrus am dringendsten gebraucht wird. Nach vier Wochen Krieg lasse sich jedoch abschätzen, dass es "von allem zu wenig" gebe, sagt eine Unicef-Sprecherin in Genf.