Dann lässt er den elektrischen Scherapparat an der hellen Haut der Tiere entlang fahren und schält die Wolle ab. Während der sich pausenlos wiederholenden Prozedur rinnt ihm der Schweiß in Strömen über die Stirn. "Den Tieren wächst im Winter ein dickes Fell und mir der Speck. Der kommt jetzt raus", sagt Sinnok. Zeit zum Verschnaufen gibt sich der gelernte Gärtner aus Groß Kreutz dennoch keine. "Jetzt ist Frühling und das bedeutet Hochsaison. Da muss es krachen", sagt Sinnok. Neun Schafscherer gibt es derzeit noch in Brandenburg, mit dem Winterende auf den Weiden zwischen Prignitz und Spreewald hat für sie die Hauptphase ihres Geschäftes begonnen. Sinnok selbst hat an diesem Wochenende einen Großauftrag auf dem Hof von Andreas Fischer in Löwenberg im Norden Brandenburgs ergattert. Rund 40 Schafe der vom Aussterben bedrohten Rasse der Skudden lässt der promovierte Agrarwirt Fischer an diesem Tag von ihm scheren. Am Ende bekommt er zwischen zwei und zehn Euro für ein Tier. "je nach Größe des Tiers und der Herde variiert der Preis", sagt Sinnok. Züchter mit großen Herden wie Fischer sind für Schafscherer wie Sinnok, der sein Handwerk noch vom Vater übernommen hat, zunehmend die Ausnahme. So sank die Zahl der Tiere wegen BSE und Fleischimporten aus England und Neuseeland im vergangenen Jahrzehnt um gut ein Drittel. Und von den einstmals 170 000 Schafen weiden heute nur noch rund 120 000 Tiere auf den kargen Böden der Mark. "Zu DDR-Zeiten gab es noch Herden von 20 000 Schafen. Da war man das ganze Jahr beschäftigt", sagt Sinnok. Heute sind die Auftraggeber zunehmend Privatleute, die sich ein paar Schafe als Rasenmäher halten. Leben könne er vom Scheren nicht, so der hauptberufliche Gärtner. ddp/jc