Von Benjamin Lassiwe

Am Ende war es ein Favoritensieg. Die in der Berliner Bartholomäuskirche versammelte Landessynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Ekbo) hat am Freitag den bisherigen Propst der Ekbo, Christian Stäblein, im zweiten Wahlgang zum Nachfolger von Bischof Markus Dröge gewählt. Stäblein erhielt 76 der 113 Stimmen. Der Hildesheimer Theologe Jochen Arnold erhielt 23 Stimmen. Die dritte Bewerberin, die Frankfurter Rundfunkpfarrerin Heidrun Dörken, erhielt 13 Stimmen.

„Ein Bischof ist ein Hingucker“, sagte Stäblein in der für ihn typischen, stakkatoartigen Rede. „Einer, der hinguckt, fragt, sagt, sucht, wie es den Gemeinden geht und wie es mit Gottes Wort ist, in der Welt und für die Welt.“ In der nach neuesten Zahlen noch rund 940 000 Gemeindeglieder zwischen Prenzlau und der tschechischen Grenze zählenden Landeskirche kennt sich der Theologe aus: Stäblein ist seit August 2015 Propst der Ekbo.

In diesem Amt ist der aus Niedersachsen stammende Theologe Stellvertreter des Bischofs in der Kirchenleitung und für die theologische Leitung der Kirchenbehörde, des Konsistoriums, zuständig. In den vergangenen Monaten tourte er durch die ganze Landeskirche – denn die Ekbo ist dabei, über die Art und Weise nachzudenken, wie in den Gemeinden das Abendmahl gefeiert wird. Stäblein koordiniert diesen Prozess.

Dass die Eko seit ihrer Gründung 2004 fast 300 000 Gemeindeglieder verloren hat, ist Stäblein schmerzlich bewusst. „Es kommt darauf an, dass wir die Kirche nach außen missionarisch und attraktiv gestalten und in Vielfalt und Buntheit zusammenbleiben“, sagte Stäblein nach seiner Wahl. „Wir brauchen gemeinsam alle guten Ideen und Ini­tiativen, um als Kirche über unseren Raum hinaus in die Gesellschaft zu sprechen.“ Die Menschen müssten bei der evangelischen Kirche finden können, was sie dort erwarteten: „Das Reden von dem, wie Gottes Wort tröstet und freimacht.“

Stäblein kündigte in Berlin an, dass sich die Kirche auch weiterhin in der Strukturwandeldebatte in der Lausitz engagieren wolle. „Wir engagieren uns stark in der Lausitz, weil wir der Meinung sind, dass der Strukturwandel eine zivilgesellschaftliche Begleitung braucht“, sagte Stäblein. „Wir wollen als starke Stimme der Zivilgesellschaft diesen Wandel auch ermöglichen.“ Er hoffe deswegen, dass es einen Lausitzfonds gebe, der entsprechende gesellschaftliche Stimmen stärke.

Eine, die Christian Stäblein gleich nach seiner Wahl gratulierte, war die Vizepräses der Landessynode, die Luckauer Studienrätin Renate Nowotnick. Sie hatte den Propst im vergangenen Jahr bei ihrer religionsphilosophischen Projektwoche am Bohnstedt-Gymnasium zu Gast. „Mir hat gefallen, wie stark er auf die Schüler eingegangen ist“, sagte Nowotnick der RUNDSCHAU. Für das kommende Jahr hatte Stäblein ihr schon zugesagt – nun hofft die Studienrätin, dass der frisch gewählte Bischof dieses Versprechen auch im neuen Amt einhält und 2020 zu Besuch in Luckau ist.