Schmelzwasser und Regen haben gestern auf etlichen Ortsverbindungsstraßen Ostsachsens den Verkehr behindert. Betroffen waren die Landkreise Bautzen, Kamenz, Löbau-Zittau, der Niederschlesische Oberlausitzkreis sowie Görlitz und Hoyerswerda, teilte die Polizei mit. In Löbau war auch die Bundesstraße 6 betroffen. Evakuierungen seien bislang nicht nötig gewesen. Menschen kamen nicht zu Schaden. In der Lausitz wurden am Wochenende nach leichten Überschwemmungen unter anderem an der Schwarzen Elster die Warnstufen auf zwei hochgesetzt. Bei Weißer Elster, Mulde und Elbe gab es zunächst keine Gefahr, hieß es. An den Elbe-Pegeln Schöna an der Grenze zu Tschechien und in Dresden wurde mit der ersten Warnstufe nicht vor heute gerechnet. Da das Tauwetter nun auch die Bergkämme erreicht habe, sei vor allem in Berglagen mit einem starken Anstieg der Bäche und Flüsse zu rechnen, sagte Bernhardt.
Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes fielen in den oberen Lagen von Vogtland und Erzgebirge zwischen sechs und zwölf Litern Regen pro Quadratmeter.
Dresden hatte bereits am Freitagnachmittag das Frühjahrshochwasser erreicht. Für den Lockwitzbach und die Vereinigte Weißeritz wurde die Alarmstufe eins ausgerufen, teilte das Rathaus mit. Die Anlieger der Flüsse wurden gebeten, Vorkehrungen zu treffen. Von Montag an werde mit Hochwasser der Elbe gerechnet.
Der Saisonbeginn am Geierswalder See wird sich wegen Hochwasserschäden vom Februar verzögern. Nicht, wie geplant, am 29. April, sondern am letzten Maiwochenende soll der offizielle Startschuss gegeben werden, so Michael Matthes vom Bergbausanierer LMBV. Hinsichtlich des aktuellen Wasserstandes konnte er Entwarnung für den Wassersport geben.
Der Freistaat bereitet sich derzeit mit Modellversuchen auf künftige Hochwasserfluten vor. Dabei werden am Beispiel der 2002 verwüsteten Stadt Grimma Szenarien durchgespielt, teilte das Umweltministerium mit. Das Projekt wird von der Technischen Universität Dresden geleitet und hat das Ziel, optimale Lösungen für Schutzanlagen in Grimma zu finden. "Sachsen ist eine Ideenschmiede für den modernen Hochwasserschutz", sagte Umweltminister Stanislaw Tillich (CDU).
Für das Vorhaben wurde Grimma auf einer Fläche von 1100 Quadratmetern im Maßstab eins zu 50 nachgebaut. Das 20 mal 60 Meter große Modell bildet drei Kilometer des Flusses Mulde ab. Mit Flutungen können die Wissenschaftler Hochwasser verschiedener Stärke und Intensität simulieren. Damit wollen sie auch herausfinden, ob und in welcher Form die im August 2002 zerstörte Pöppelmann-Brücke wieder aufgebaut werden kann. Weitere zehn Flusskilometer lassen sich per Computerprogramm berechnen. Im Juni sollen erste Ergebnisse vorliegen. Im Jahr 2002 war die ganze Innenstadt von Grimma überschwemmt worden. (dpa/fxk)
Weitere Informationen im Internet unter www.hochwasserzentrum.
sachsen.de.


Wissenswertes Vier Alarmstufen
  Die niedrigste Alarmstufe eins bedeutet die Einführung des Hochwassermeldedienstes.
Bei Stufe zwei richten die Behörden einen Kontrolldienst ein, zum Beispiel um eventuelle Hindernisse im Wasserlauf und besonders gefährdete Bauwerke und Gewässerabschnitte zu überprüfen.
Bei Stufe drei wird ein ständiger Wachdienst zur Sicherung von Brücken, Deichen und Uferbebauungen eingerichtet.
Bei Alarmstufe vier sind konkrete Maßnahmen nötig, um Gefahren für Menschen, Gebäude oder Betriebe durch Überflutungen abzuwehren. In den Kreisen treten dann Katastrophenschutzstäbe zusammen, um die Hilfe zu koordinieren.