Wie viele Menschen haben in Deutschland bislang Asyl gesucht? Seit 1953 haben 3,5 Millionen Menschen in Deutschland einen Asylantrag gestellt, davon 2,5 Millionen seit der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990. Die meisten Asylanträge wurden bislang im Jahr 1992 registriert. Damals baten rund 438 000 Menschen um Schutz. Die Folge waren seinerzeit ebenfalls Proteste in der Bevölkerung und Anschläge auf Asylbewerberunterkünfte. 1994 wurde die Asylgesetzgebung in Deutschland deshalb massiv verschärft.

Wie ist die aktuelle Lage? In diesem Jahr wird mit insgesamt 200 000 Asylanträgen gerechnet - halb so viel wie damals. Ein Grund war seinerzeit der Balkan-Krieg. Das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat bis einschließlich November 181 453 Asylanträge regis triert. Gemessen am Vorjahr ist das allerdings ein massiver Anstieg um 57 Prozent. Die Masse davon, nämlich 155 000, waren Erstanträge, der Rest so genannte Folgeanträge. Sie können sich zum Beispiel aus neuen Umständen im Herkunftsland ergeben.

Woraus resultiert der massive Anstieg? Eine zentrale Ursache ist der grausame Bürgerkrieg in Syrien. In den letzten drei Jahren sind deshalb etwa 3,2 Millionen Menschen in die Nachbarländer geflohen. Nach Deutschland kamen bislang mehr als 70 000 Syrer. Allein zwischen Januar und November baten rund 34 000 um Asyl. Das waren etwa dreimal so viele wie im gleichen Vorjahreszeitraum. Auf Platz zwei der Statistik rangiert Serbien mit 15 282 Erstanträgen, was einer Steigerung um 56 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Nach einem neuen Gesetz, das im September verabschiedet wurde, zählt Serbien jedoch inzwischen zu den sicheren Drittstaaten. Das beschleunigt die Ablehnung der Asylgesuche. Um knapp ein Drittel ist auch die Zahl der irakischen Asylbewerber gestiegen. Von Januar bis November wurden 4754 Erstanträge registriert. Das ist allerdings nur Platz zehn unter den stärksten Herkunftsländern. Der Russland-Ukraine-Konflikt spielt in der Asyl-Statistik bislang keine Rolle.

Wie lange dauern die Asylverfahren? Nach Auskunft des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge wurde von den im Vorjahr letztinstanzlich entschiedenen Verfahren knapp die Hälfte (45 Prozent) innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen. Zwei Drittel dauerten bis zu einem Jahr. Etwa 14 Prozent aller Verfahren gingen bis zu zwei Jahre. In Extremfällen (1,1 Prozent der Asylbewerber) waren es auch mehr als vier Jahre. Als Flüchtling anerkannt wurde im Vorjahr allerdings nur jeder vierte Asylbewerber (24,9 Prozent). Für 2014 liegt diese Quote bis einschließlich November schon bei 29,8 Prozent, was vor allem aus den fast durchweg positiv beschiedenen Anträgen (88,7 Prozent) von syrischen Staatsbürgern resultiert. War der Antrag erfolgreich, wird eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre erteilt. Die mit 37,7 Prozent höchste Anerkennungsquote insgesamt wurde im Jahr 2008 verzeichnet.

Wie viele Abschiebungen gibt es? Asylanträge werden abgelehnt, weil sie inhaltlich unbegründet sind oder weil ein anderer EU-Staat dafür zuständig ist. Im Vorjahr kam es deshalb zu 10 198 Abschiebungen aus Deutschland. 2012 lag die Zahl noch bei 7651. Nach Angaben des CDU-Innenexperten Wolfgang Bosbach gibt es allerdings gleichzeitig knapp 200 000 Personen, die - rechtskräftig festgestellt - Deutschland verlassen müssten. Ein Problem ist allerdings oft die ungeklärte Identität des Betroffenen. Ohne Ausweispapiere kann auch ein vermeintliches oder tatsächliches Herkunftsland eine Rückführung des Betroffenen ablehnen. In vielen Fällen dauern die Asylverfahren allerdings generell zu lange. Geplant ist deshalb auch eine Aufstockung des Personals beim zuständigen Bundesamt. Bis Ende 2015 sollen dort 650 Mitarbeiter zusätzlich im Bereich Asyl arbeiten.

Wo steht Deutschland international? Die Pegida-Bewegung mahnt eine gerechtere Verteilung der Flüchtlinge in der EU an. Womöglich müsste Deutschland dann aber noch deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen. Nach Angaben des Statistik-Amtes der EU (Eurostat) wurden bis einschließlich Juli in Deutschland gut 94 000 Asylanträge gestellt, in Schweden rund 41 000, in Malta 730 und in Luxemburg 570. Gemessen an der jeweiligen Bevölkerungszahl hatte Schweden die meisten Asylbewerber, gefolgt von Luxemburg und Malta. Deutschland lag an vierter Stelle in der EU.