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Frost und Hitze bescheren bundesweiten Erdbeere-Engpass

Der Nachschub lässt sich mancherorts noch Zeit beim Reifen.
Der Nachschub lässt sich mancherorts noch Zeit beim Reifen. FOTO: dpa
Cottbus. Erst Frostschäden, jetzt Sonnenbrand: Witterung beschert Erdbeerbauern ungewohnte Einbußen und teils frühere Ernte bei den späten Sorten. Beate Möschl

Wer dieser Tage Erdbeeren frisch vom Feld kaufen oder pflücken möchte, kann von Glück reden, wenn er in der Nähe erfahrener regionaler Erzeuger in der Lausitz und deren Direktvermarktungsständen wohnt. Dann spürt er wenig bis nichts vom derzeitigen bundesweiten Erdbeer-Engpass. Der liegt einerseits in der Natur der Sache, andererseits haben die Nachtfröste im Frühjahr einen Großteil der frühen Sorten voll in der Blüte erwischt und damit den Erdbeerbauern bundesweit deutliche Ernteeinbußen beschert. Mancherorts ist die Saison schon zu Ende.

"Bei uns ist schon alles abgeerntet", berichtet Eckhard Kuhl, Geschäftsführer der Spargelbau Sallgast GmbH (Oberspreewald-Lausitz). Das ist ungewöhnlich früh und Kuhl zufolge auf die frostreichen Nächte im Frühjahr zurückzuführen. "Da sind uns büschelweise Erdbeerblüten erfroren", so Kuhl. Die Folge sind Ernteeinbußen von 25 bis 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

"Das schmerzt", sagt Kuhl. Auch weil die süßen roten Früchtchen Kunden anziehen an die Spargelstände. Die Sallgaster sind bekannte Spargelbauern und haben nur ein kleines Fleckchen ihrer Äcker mit Erdbeeren bestellt. Auf circa 70 Hektar gedeiht Sallgaster Spargel. "Am Samstag stechen wir das letzte Mal. Dann ist auch die Spargelsaison zu Ende", kündigt Kuhl an.

Anderenorts ist Erdbeer-Nachschub aus eigener Ernte absehbar. Zum Beispiel auf dem Spreewaldhof Niewitz (Landkreis Dahme-Spreewald). Die derzeitige Erntepause ist schlichtweg sortenbedingt, wie die RUNDSCHAU auf Nachfrage erfuhr. Für die Erdbeeren aus Niewitz gibt es feste Abnehmer im Lebensmitteleinzelhandel. Ein kleiner Teil der Erdbeerfelder steht auch Selbstpflückern offen.

Ähnlich ist die Situation im Landkreis Spree-Neiße auf Aldags Erdbeerfeldern in Albertinaue (Gemeinde Schenkendöbern). "Auch wir haben eine Lücke zwischen den normal reifenden und den spät reifenden Sorten", sagt Wilhelm Aldag und betont: "Die späten Erdbeeren haben generell keinen Anschluss zu den normal reifenden." Andererseits sind die späten Erdbeeren in der Neißeaue in dieser Saison ungewöhnlich früh dran, leiden aber unter der Hitze. "Wir haben zwei große Probleme", schildert Wilhelm Aldag auf die Frage nach der Ernteprognose. "Ein Problem sind die Nachtfröste im Frühjahr. Die haben sehr viele Blüten erwischt." Etwa 70 Prozent der Frühsorten wurden vernichtet. Aldag hat ein Drittel der Erdbeerfelder mit den Frühsorten bestellt. Auf den anderen zwei Dritteln reifen die späten Erdbeeren. Inzwischen auch unter erschwerten Bedingungen, wie Aldag schildert.

"Unser zweites Problem ist die Hitze. Wir haben einen wahnsinnigen Schaden durch Sonnenbrand", sagt er und fügt an: "Wir sehen zu, dass wir möglichst viel pflücken, bevor sie verbrennen." Für Selbstpflücker bedeutet die Witterung, dass für sie die Saison eher endet. "Durch die Hitze ist schon vieles weg. Da wird nur noch bis zum Wochenende was zu holen sein", schätzt Wilhelm Aldag ein.

Aldags Erdbeeren werden ausschließlich direkt vermarktet an Ständen zwischen Forst und Eisenhüttenstadt.

"Bei uns gibt es immer Erdbeeren, bis September", betont indes Spreewaldbauer Karl-Heinz Ricken aus Vetschau (Oberspreewald-Lausitz ). "Wir sind schon längst bei den Spätsorten. Die frühen und die mittelfrühen Sorten sind bereits abgeerntet." Die Ernte der Spätsorten habe 14 Tage früher begonnen als üblich. Das ist nicht unwillkommen nach den Schäden durch die Fröste im Frühjahr bei den frühen Sorten, und auch gewollt, wie Ricken deutlich macht: "Wir haben vorgesorgt. Deshalb gibt es bei uns auch weiterhin Erdbeeren aus eigenem Anbau." Bis September können Erdbeeren aus eigener Ernte geliefert werden.

"Es stimmt, deutschlandweit gibt es derzeit eine große Erdbeerflaute", sagt Ricken. Das sei mit dem Übergang von den frühen und mittelfrühen Sorten zu den späten Sorten zu erklären. Bei den frühen Sorten habe der Frost große Schäden angerichtet und Ernteeinbußen beschert. Bundesweit hatten Obst bauern im Frühjahr Frostschäden beklagt und vor Lieferengpässen gewarnt.

Zum Thema:
Erdbeeren sind fünftliebstes Obst der Deutschen. Mit einem Verbrauch von 280 000 Tonnen (3,4 Kilogramm pro Person) rangieren Erdbeeren in der Beliebtheit hinter Äpfeln, Bananen, Tafeltrauben und Pfirsichen. Laut Bundesinformationszentrum Landwirtschaft werden in Deutschland jährlich rund 150 000 Tonnen Erdbeeren geerntet. Damit ist die Nachfrage nicht gedeckt. Daher werden größere Mengen importiert. Laut Statistischem Bundesamt haben 2016 2270 Betriebe auf 18 000 Hektar Fläche Erdbeeren angebaut.