Das Paradoxe: Obwohl die liberale Partei von Premierminister John Howard im deutschen Parteienspektrum rechts der CDU und Labor am linken Flügel der SPD anzusiedeln wäre, wissen die Australier, dass nach der Wahl am Samstag vieles beim Alten bleibt - zumindest in der Wirtschaftspolitik. Der blonde bebrillte Labor-Führer Kevin Rudd (50) gilt vielen einfach als jüngere Ausgabe des grauen bebrillten Howard (68). "Howard gehört zum alten Eisen, wir brauchen frischen Wind", sagt Wähler Howard Pearce in Canberra.
Bei einem erwarteten Wirtschaftswachstum von 4,3 Prozent im 17. Jahr des Aufschwungs versprechen beide eine Fortsetzung der Fiskalpolitik mit Etatüberschüssen. Bei fast getilgten Bundesschulden und in zehn Jahren verdoppelten Einkommen kündigen beide 30 Milliarden Euro Steuersenkungen an. Beide sind für eine strikte Politik gegen illegale Einwanderer, ein Verbot von Homo-Ehe und mehr Geld zur Förderung von Privatschulen. Das ist die Politik, mit der Howard viermal in Folge gewann. Rudd will die Erfolgsrezepte nahtlos fortsetzen.
Darauf beruht sein Umfrage-Erfolg, sagen Politologen - die alte Politik, mit einem frischen Gesicht. Und zukunftsweisenden Talenten: Beim Apec-Gipfel der Pazifikanrainerstaaten in Sydney parlierte Rudd vor Kurzem in perfektem Chinesisch mit Präsident Hu aus Peking. Der säuerliche Ausdruck auf Howards Gesicht, der dem früheren Diplomaten zuhören und auf die Übersetzung warten musste, sprach Bände. Howards Außenpolitik ist vor allem durch seine Nähe zu US-Präsident George W. Bush geprägt, der wegen des Irak-Kriegs in Australien nur wenige Sympathien hat. Für Europäer hat Howard nach Angaben von Diplomaten wenig übrig, seit er als Handelsminister einmal in Brüssel mit der Forderung nach Sonderkonditionen für den Marktzugang scheiterte.
Rudd liegt den Europäern mit seiner Politik viel näher. Das stellt auch seine Stellvertreterin Julia Gillard heraus. Sie lässt den Vorwurf, Rudd sei ein geklonter Howard, nicht gelten. "Unsere Politik könnte bei Themen wie Irak und Klima unterschiedlicher nicht sein", betont sie. Im Gegensatz zu Howard will Rudd die 580 verbliebenen australischen Soldaten aus dem Irak abziehen und das Kyoto-Klimaschutzprotokoll unterzeichnen. Die seit Jahren anhaltende schwerste Dürre seit Generationen hat die Australier aufgerüttelt. Howard begann erst in diesem Jahr, den Klimawandel ernst zu nehmen - mit dem Verbot von energieverschwenderischen Glühbirnen.