Noch ist der König an diesem unterkühlten Aprilmorgen, an dem die Sonne nur zögernd die Spreewaldluft aus der Froststarre weckt, nicht zu sehen. Aber er gibt überall seinen Senf dazu.

Vor allem von seinen Großtaten ist schon die Rede.

Ohne Friedrich den Großen hätte es Burg-Kolonie nie gegeben. Behauptet Sebastian Zoepp von den Spreescouts. Und behält recht. Denn er kann dafür historische Dokumente aus der Tasche ziehen: Die Ortsteile Burg-Kauper und Burg-Kolonie sind Teil des großen Besiedlungswerkes, das der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. begonnen und Friedrich II. fortgesetzt hat.

Auf Stahlrössern zur Kolonie

Wir treten mit eiserner Disziplin in die Pedale, denn Zoepp verspricht, nach gut zehn Kilometern auf Stahlrössern träfen wir auf Spuren von "Colonisten für den König". Um das Land urbar zu machen, kam Friedrich auf die glorreiche Idee, "Ausländer" in der preußischen Enklave innerhalb des Kurfürstentums Sachsen anzusiedeln, denen er dafür einige "Vortheile" versprach. Und es gelang tatsächlich. In der Kolonie Nr. 22 bewundern wir ein typisches Giebellaubenhaus, das vermutlich um 1800 errichtet wurde. Nur noch ein halbes Dutzend gibt es davon in der Gegend. Schon 1766 wurde Burg-Kolonie als eigenständige Gemeinde begründet.

Als der Dritte Schlesische Krieg verloren schien, soll der geniale Feldherr sich in der Burger "Colonie" den Blicken des Feindes entzogen haben, erfahren wir noch.

Als wir ihm an diesem Tage Stunden später auf dem Wasser begegnen, wird er das vehement abstreiten und steif und fest behaupten, niemals in Burg gewesen zu sein. Dabei sind ihm auch die Streuobstwiesen zu verdanken. Wir zügeln unsere Stahlrösser, lassen die Augen an Kirschbäumen weiden, die trotz der nächtlichen Bodenfröste wagemutig Blüten zeigen. "Der Alte Fritz hat nicht nur dem Kirschwasser gern zugesprochen, dem er eine gesundheitsfördernde Wirkung nachsagte, er war überhaupt ein großer Obstliebhaber", berichtet der Spreewaldscout. Und verliest eine königliche Verordnung aus dem Jahre 1765, nach der jeder Bauer pro Jahr zehn Obstgehölze pflanzen sollte. Bei mangelnder Pflege drohte harte Bestrafung.

Es bleibt nicht bei trockenen Dokumenten. Die unterschiedlichsten Apfelsorten werden verkostet. Schade nur, dass die Zeit drängt. Auf dieser Tour wird am Ende normalerweise noch in der Brennerei Ballaschk eingekehrt.

Aber dafür lockt ja ein königliches Souper in fünf Kostproben, das zu Ehren der Majestät in einem der ältesten Schänken von Burg jetzt täglich zu ordern ist. Genießer Friedrich liebte es schmackhaft. Er soll sogar geprahlt haben: "Die Gourmetküche, die ist mit mir in Berlin in Mode gekommen", gibt einer der dienstältesten Hoteliers der Region, Olaf Schöpe, zum besten.

Auch Matthias Schutza aus dem Küchenteam der Burger Kolonieschänke, der Bio-Gaumenfreuden zwischen Amuse bouche und Patisserie kredenzt, weiß: "Der König von Preußen hat gern getafelt und mochte es besonders würzig." Und er habe im wahrsten Sinne des Wortes fast überall seinen Senf dazugegeben.

Ungerührt rühren auch wir Mostrich zum Abschluss des Soupers in den Kaffee.

Solchermaßen alle Sinne geschärft, lädt nun der feingeistige Feldherr höchstpersönlich zu einer literarisch-musikalischen Kolonistentour. Der Cottbuser Schauspieler Martin Eitner ist in seine Uniform geschlüpft und bittet mit ausladender herrschaftlicher Geste zur Generalprobe in den Kahn: "Ich bin ein Diener des Volkes", verbeugt er sich, während die Kahnbesatzung echot: "der erste Diener des Volkes".

Mit an Bord sein zauberhafter Sekretär und der Musiker Lutz Spinde im Gewand von Johann Joachim Quant. Über dreißig Jahre lang war dieser als Komponist, Musiktheoretiker und Instrumentenbauer am preußischen Hof.

Zwischen die historischen und politischen Lektionen und hehren Gedichte des Königs streut er nun im Kahn Musikstücke auf dessen Lieblingsinstrument, der Querflöte, ein. Bei diesen traumhaften Tönen fühlen wir uns bald selbst wie die Könige, während uns der Fährmann in Wams und Weste durch ein stilles Fließ stakt. Dabei übertönen nur die klassischen Klänge der Flöte das plätschernde Pianissimo des Wassers.

Obwohl erst Generalprobe ist: Die Touren "Geschichte auf dem Kahn" sind fast schon ausgebucht, aber bei großer Nachfrage könnte es durchaus Neuauflagen geben. In den nächsten Jahren soll die Tour ohnehin auch andere historische Figuren in den Mittelpunkt rücken.

Geschichte auf dem Kahn

"Im Jahr seines 300. Geburtstages aber wollen wir hier Friedrich den Großen mit allen Sinnen genießen", lacht die Burger Tourismuschefin Julia Kahl.

Der rückt sich ohnehin schon wieder ins rechte Licht. Und so enthüllt er ohne große Bescheidenheit, dass er auch die Leineweberei nach Burg brachte, ein Handwerk, das fast 150 Jahre lang hier blühte.

Wie zur Bestätigung macht der Kahn an der Burger Bleiche Halt. Das Gourmetrestaurant des von der Familie Clausing geführten Wellnesshotels "Zur Bleiche Resort & Spa" trägt den Namen "17fuffzig". Der Grundstein für die alte Bleiche wurde an dieser Stelle im Jahre 1750 gelegt, erzählen die Inhaber: "Der König von Preußen ordnete einst persönlich an, dass hier die Uniformhemden seiner Armee gebleicht werden sollten", weiß Christine Clausing zu berichten. Gleichzeitig gab es hier schon Fremdenzimmer. Im Restaurant hängt das Triptychon "Leineweber", auf dem der Finsterwalder Maler Horst Bahr die Geschichte des Bleichens im Spreewald nachempfand.

Sternekoch Oliver Heilmeyer aber erweist dem König seine ganz besondere Referenz: Friedrichs Lieblingsnachspeise, eine Mocca-Torte mit Haselnüssen, schmeckt einfach großartig.

Martin Eitner in Gestalt des Alten Fritz muss zu alldem seinen Senf dazugeben. In einer stillen Minute aber entschärft er: "Auch wenn man viele Lobeshymnen über mich ablässt, ich gefalle mir manchmal selbst nicht."

Zum Thema:
Burg mithilfe des Alten Fritz zur größten Streusiedlung Deutschlands wuchs? nur "Ausländer" in Burg-Kolonie angesiedelt werden sollten, um die Bevölkerungszahl zu erhöhen?die Bewohner der Nachbardörfer schon als Ausländer galten, da die Orte zum kursächsischen Gebiet zählten?am 1. Mai, 18 Uhr, in einem Vortrag im Hotel "Zur Bleiche" geklärt wird, was der Alte Fritz mit der Bleiche zu tun hat?der Bau der Burger Dorfkirche durch eine Audienz bei Friedrich II. veranlasst wurde?es unter dem Motto "Friedrich 300" in Burg mit "Geschichte auf dem Kahn", geführten Rad- und Wandertouren sowie kulinarischen Zeitreisen exklusive Ausflüge ins 18. Jahrhundert gibt? www.burg-spreewald-tourismus.de