Eigentlich hat Katar Erfahrung als Friedensstifter. Ministerpräsident Scheich Hamad bin Dschasim al-Thani gilt als diplomatischer Strippenzieher in der arabischen Welt, mischte sich schon in viele regionale Krisen ein: Als Vermittler im Konflikt um die sudanesische Krisenregion Darfur etwa, als Mediator zwischen Dschibuti und Eritrea oder als Gesprächspartner rivalisierender politischer Gruppen im Libanon. Doch im Umgang mit Syriens Regime verliert der Scheich allmählich die Geduld.

So wetterte al-Thani angesichts des anhaltenden Blutvergießens jüngst ganz undiplomatisch im TV-Sender Al Dschasira, die Beobachter der Arabischen Liga dürften nicht in Syrien bleiben und „ihre Zeit verschwenden“. Mehr als 5000 Menschen – so schätzen die UN – hat der Konflikt inzwischen seit Beginn der Massenproteste gegen Präsident Baschar al-Assad im März das Leben gekostet.

Am Wochenende versuchte die Liga eine erste Zwischenbilanz des vor zwei Wochen begonnenen Einsatzes in Syrien. Katar leitet den zuständigen Ausschuss. Einen Abbruch der zunächst auf vier Wochen befristeten Maßnahme schloss der stellvertretende Liga-Chef Adnan Eissa allerdings aus. Dies stehe nicht zur Diskussion, betonte er.

Es braucht keinen Beobachterbericht, um an einem Erfolg der Mission ernsthaft zu zweifeln. Denn das erklärte Ziel – ein Ende der Gewalt – ist bei Weitem nicht erreicht. Mindestens 40 Tote – Anhänger wie Gegner Assads – wurden allein am Wochenende wieder aus Syrien gemeldet. Doch sind es nach wie vor in erster Linie Katar und Saudi-Arabien, die stets eine härtere Gangart gegen das Assad-Regime fordern, während die anderen arabischen Staaten deutlich zögerlicher sind.

Derweil gingen der russische Flugzeugträger „Admiral Kusnezow“ und weitere schwere Kriegsschiffe in der russischen Militärbasis Tartus in Syrien vor Anker. Die Einheiten der russischen Nordflotte würden dort Vorräte auffrischen und ihre Ausrüstung prüfen, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am gestrigen Sonntag mit.

In russischen Medien hieß es aber, Moskau wolle mit der Anwesenheit der Kriegsschiffe in der Region eine Drohkulisse gegen die Nato aufbauen. Russland lehnt einen Regimewechsel in Syrien nach „libyschem Vorbild“ trotz des blutigen Vorgehens gegen die Opposition in dem arabischen Land ab.