Zeit für eine Dienstreise. Da aber wirklich nicht jeder nach Stockholm fliegen kann, wo dieser Tage der Stab über der sächsischen Braunkohle gebrochen wird, müssen sich die meisten mit Kurzausflügen bescheiden.

Im Vogtland soll es sehr schön sein. Sagen jedenfalls die, die da herkommen. Die Luft ist gut, um nach x Koalitionsrunden den Kopf frei zu kriegen. Pfiffig sind sie auch im Vogtland, die lassen sich was einfallen. Wie die Stadtwerke von Reichenbach, die haben jetzt ein Maskottchen namens Enrigo.

Wozu Stadtwerke Maskottchen brauchen, sei dahingestellt. Aber wenn alle eins haben, wieso sollten die Reichenbacher Stadtwerke nicht? Enrico ist dick, rund und bringt sicherlich die ansonsten unaufregende Energieversorgung sympathisch rüber.

Aber zurück zu den Polit-Urlaubern (die es nicht nach Schweden geschafft haben), gemeint ist die Landtagsfraktion der SPD. Die braucht sich mit ihrem Vogtland-Besuch nicht zu verstecken, denn dieser Landstrich ist eine traditionsreiche Schnittstelle verschiedener Kulturen. Irgendwo zwischen Hof und Plauen sagt der sächsische Fuchs dem bayerischen Hasen "Gute Nacht!", und zwar dann, wenn die drüben in Thüringen den Mond mit der Stange vorziehen. Vor 25 Jahren schlängelten sich hier die Trabis, die runter in den Westen wollten.

Fein, dachten sich die SPD-Landtagsfraktionäre, laden wir doch die Genossen von drüben ein und rauchen eine Friedenspfeife am Grenzübergang Juchhöh. Das Ganze kündigen wir fett an als Aufarbeitung deutsch-deutscher Geschichte 25 Jahre nach der friedlichen Revolution. Die Sabine Friedel kann was auf der Klampfe spielen und die arme Heike Taubert sieht mal wieder was anderes als ihre Erfurter Wahltrümmer.

Essen bringen die Bayern mit, aber nicht wieder diesen fiesen Bärwurz, da träumt man hinterher von 50 Prozent. Zu spät werden darf es nicht. Sonst geht es uns wie diesen Zirkustigern neulich. Die steckten im Vogtland fest und mussten von der Polizei rausgeholt werden. Wer im Koalitionsvertrag von CDU und SPD schmökert, der stolpert früher oder später über Kurioses.

Zum Beispiel auf Seite 34 über das schöne Wort "Arte Ost". Arte, das ist der beliebte deutsch-französische Fernsehsender, der 1992 auf Sendung ging. Wo den ganzen Tag alte Filme von Truffaut laufen. Und Kochsendungen, in denen badische Weinbäuerinnen ihr Mehl selber mahlen oder Sarah Wiener mit der roten Ente in Frankreich rumgurkt und französische Müller bei der Arbeit nervt.

Und Philosophie-Magazine, wo ergraute Herren vor schwarzen Wänden sitzen und reden und sonst nicht viel passiert. Wo die Moderatoren so apart französeln. Dieser Sender, von dem jeder, der etwas auf sich hält, behauptet, nichts anderes zu gucken. Allenfalls 3Sat noch, wo die Moderatoren apart schweizern.

Einen Sender wie Arte soll der Osten auch kriegen, so will es der schwarz-rote Koala. Die östlichen Nachbarn freuen sich bereits auf apartes Sächseln.