mit einigen hundert Katholiken am Marienhaus des antiken Ephesus - wird Benedikt XVI. ein kleines, familiäres "Bad in der Menge" zuteil. Unter den Katholiken, die aus der ganzen Türkei zur Messe mit ihrem Oberhaupt gekommen sind, wird sogar eine bayerische Flagge geschwenkt. Und: Kaum eine Zeitung, die gestern nicht sein Bild auf der Titelseite bringt - die Türkei beginnt einen ganz anderen Papst kennen zu lernen. Von Botschaften des "Friedens" und des "Dialogs" ist dort die Rede.

Ängste offenbar unbegründet
"Alle Ängste und Sorgen waren unnütz, der Papst-Besuch hat sehr gut begonnen", lautete gestern der Presse-Tenor. Nicht nur dass der römisch-katholische Kirchenführer beim politischen Teil in Ankara dem Islam seine Referenz erwiesen und zum Dialog zwischen Christen und Muslimen aufgerufen habe. Ganz überraschend habe sich Benedikt, der bislang im Ruf eines Türkei-Gegners stand, für einen türkischen EU-Beitritt ausgesprochen.
Einen Ausdruck von Glücksgefühl wollen aufmerksame türkische Beobachter auch in den Augen von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan gelesen haben, nachdem dieser dem Papst die Worte entlockt hatte, der Vatikan wünsche "die Türkei an der Seite der EU" zu sehen.

Versöhnliche Gesten
Für Erdogan hat sich gelohnt, dass er sich doch noch zu der Geste durchgerungen hat, den hohen Gast aus dem Vatikan noch am Flugzeug in Empfang zu nehmen. Allerdings ist die Kritik nicht ganz verstummt, dass er mit seiner anfänglichen Weigerung das Bild der Türkei in der Welt als einer Brücke zwischen den Religionen und Kulturen in ein schlechtes Licht gerückt habe.
Nach den versöhnlichen Gesten auf beiden Seiten sind die Befürchtungen, die erste Reise Benedikts in ein islamisches Land könne von massiven Protesten überschattet werden, weit in den Hintergrund getreten. Aufmerksam registrierte die türkische Öffentlichkeit, dass Papst Benedikt das Kreuz am Hals nicht offen trug, als er bei den Ankunft in Ankara aus dem Flugzeug stieg.
"Ein Kreuzfahrer ohne Kreuz", hieß es in einer Zeitung. Auch das ein Erfolg des Papstes, dem nach seiner Regensburger Rede über Islam und Gewalt im September in der Türkei "Kreuzfahrermentalität" vorgeworfen worden war.