Friedensnobelpreis für den Kampf um Gleichberechtigung: Drei Frauen aus Afrika und der arabischen Welt werden in diesem Jahr für ihren Einsatz gegen Krieg, Gewaltherrschaft und Unterdrückung des eigenen Geschlechts ausgezeichnet. Die Geehrten sind Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf (72), die Menschenrechtlerin Leymah Gbowee (39) - ebenfalls aus dem ehemaligen Bürgerkriegsland in Westafrika - sowie die Journalistin Tawakkul Karman (32) aus dem Jemen. Die Ehrung Karmans gilt auch als Unterstützung für den "arabischen Frühling".

Die diesjährigen Preisträgerinnen wurden am Freitag vom Nobelpreis-Komitee in Norwegens Hauptstadt Oslo bekannt gegeben. Erstmals in 110 Jahren ging der Friedensnobelpreis damit an drei Frauen zugleich. Insgesamt gab es erst 15 weibliche Preisträger.

Die drei Frauen freuten sich riesig. Johnson-Sirleaf schrieb in einer Botschaft an die Nation, die sie mit "Mama Ellen" unterzeichnete: "Die Welt hat Liberia wiederentdeckt." Gbowee sprach von einem "Nobelpreis für Afrikas Frauen". Karman sagte dem Nachrichtensender Al-Arabija: "Diese Ehrung wird den Kampf für Gerechtigkeit und Reformen vorantreiben." Treffen werden sie sich erstmals bei der feierlichen Verleihung am 10. Dezember, dem Todestag von Stifter Alfred Nobel (1833-1896). Sie teilen sich das Preisgeld von zehn Millionen schwedischen Kronen (knapp 1,1 Millionen Euro).

Hilfe für Traumatisierte

Ellen Johnson-Sirleaf und Leymah Gbowee kommen aus Liberia, jenem ehemaligen Sklavenstaat an der westafrikanischen Atlantikküste, dessen Name übersetzt "Land der Freiheit" bedeutet. Frei war dort aber lange Zeit niemand. Denn der Despot Charles Taylor, der 15 Jahre lang regierte, war maßgeblich dafür verantwortlich, dass das Land nach zwei Bürgerkriegen mit über 250 000 Toten vollkommen traumatisiert war.

Liberia stand am Rande des Ruins, als Johnson-Sirleaf 2006 als erste afrikanische Präsidentin vereidigt wurde. "Wenn Deine Träume Dir keine Angst machen, dann sind sie nicht groß genug", sagte die Harvard-Absolventin einmal. Sie träumte groß - und handelte, wie man es von einer "Eisernen Lady" (so ihr Spitzname) erwartet. Integer, willensstark und unbeugsam ging sie die Herkulesaufgabe an, ihr Heimatland Schritt für Schritt wieder aufzubauen. Die Wiedereingliederung von früheren Kindersoldaten stand ganz oben auf der Agenda der vierfachen Mutter und achtfachen Oma. Dass ihr als Frau dabei eine besondere Rolle zufiel, war Johnson-Sirleaf klar. Ihre Amtszeit begann sie mit den Worten: "Dies öffnet die Tür für Frauen auf dem gesamten Kontinent. Und ich bin stolz darauf, dass ich diejenige bin, die die Tür öffnet."

Eine weitere Tür - zu Versöhnung und Dialog - machte sie auf, indem sie maßgeblich an einer "Wahrheits- und Versöhnungskommission" zur Aufarbeitung von Liberias Geschichte mitwirkte. In diese Kommission wurde auch die 1972 ebenfalls in Monrovia geborene Leymah Gbowee berufen. Trotz ihrer Jugend hatte sie sich bereits einen Namen als Bürgerrechtlerin gemacht.

Die ehemalige Streetworkerin, die in den USA studierte, wurde bereits 2001 Koordinatorin der Organisation "Women in Peacebuilding". Nur ein Jahr später gründete sie die Bewegung "Women of Liberia Mass Action for Peace". Sie mobilisierte zahlreiche Frauen und Mütter, die bei gewaltfreien Protestaktionen gegen Taylor demonstrierten. Symbolisch trugen alle Teilnehmerinnen weiße Kleidung - als Zeichen für Reinheit und Friedenswillen.

Unermüdlich setzt sich Gbowee auch weiterhin für den Wiederaufbau Liberias ein.

Menschenrechte, Demokratie und Meinungsfreiheit - das sind auch Grundsätze, an denen sich Tawakkul Karman orientiert. Was einfach klingt, erfordert in ihrem Heimatland Jemen viel Mut.

Die Journalistin wurde schon von vielen Seiten angefeindet. Das Regime von Präsident Ali Abdullah Saleh versuchte, sie mundtot zu machen. Radikale Islamisten werfen der dreifachen Mutter vor, Frauen zur Rebellion gegen ihre Männer anzustacheln.

Den Schleier abgelegt

Dabei ist Karman, die 2005 einen Journalistinnenverband gründete, sogar Mitglied der reformorientierten Islamisten-Partei Al-Islah. Doch hat sie vor Jahren schon den schwarzen Gesichtsschleier abgelegt, der im Jemen verbreitet ist. Seither zeigt sie ihr Gesicht, stets umrahmt von einem bunten Kopftuch. Karman wurde 1979 in der Provinz Tais geboren. Später zog ihre Familie in die Hauptstadt Sanaa, wo sie 2000 ihr Politik-Studium mit dem Magister abschloss.

Schon in den ersten Tagen der jemenitischen Revolution im Januar 2011 - noch bevor die großen Proteste begannen - wurde sie vorübergehend festgenommen.

Doch weder diese Episode noch die Gewalt der Regierungstruppen konnte sie abschrecken. "Der Tag wird kommen, wenn diejenigen, die Menschenrechte verletzt haben, dafür bezahlen müssen, was sie dem Jemen angetan haben", sagte sie der "Yemen Times".