Der 82-Jährige sollte den 13. Gipfel der Friedensnobelpreisträger eröffnen, ein Treffen, dessen Format Gorbatschow zur Jahrtausendwende erfunden hatte. Doch als der polnische Gastgeber Lech Walesa seine Begrüßungsworte sprach, fehlte Gorbatschow.

1991 hatten Putschisten den Präsidenten unter Arrest gestellt, ohne dies zunächst publik zu machen. In Warschau 2013 sagte ein Sprecher der Veranstalter: "Wir wissen nicht einmal, ob er in der Stadt angekommen ist." Im Saal wurde Gorbatschows Fehlen wie zu kommunistischen Zeiten totgeschwiegen.

Erst am Mittag sickerte die Nachricht durch, dass Gorbatschow die Reise aufgrund gesundheitlicher Probleme kurzfristig nicht antreten konnte. Einzelheiten blieben unklar.

Warschau erlebte am Montag dennoch eine bewegende Gipfel-Eröffnung. Fast 20 Träger des Friedensnobelpreises waren in die polnische Hauptstadt gekommen, um drei Tage lang über die globale Politikagenda zu debattieren und "in Solidarität für den Frieden zu handeln", wie das Motto lautet. Die nordirische Preisträgerin des Jahres 1976 Mairead Maguire erklärte, warum die zynische Politik des Westens und Russlands im Syrienkonflikt ein Menschheitsverbrechen sei. "Jede Waffe, die auf Geheiß der Regierungen in den Nahen Osten geliefert wird, tötet Zivilisten, tötet Kinder."

Lech Walesa, der 1989 die polnische Freiheitsbewegung Solidarnosc zum Sieg führte und nach Maguire ans Mikrofon trat, rang nach dieser Rede mit der Fassung. "Ich muss als Gastgeber sachlich bleiben", ermahnte er sich schließlich, bevor er selbst den 1500 Zuhörern ins Gewissen redete. "Freiheit verpflichtet", sagte der 70-Jährige. "Der Kommunismus ist gescheitert, aber auch der Kapitalismus in seiner aktuellen Ausprägung ist keine Lösung. Die Macht des Mammons bedroht uns", erklärte er.

Walesa strahlt aus, dass dieser Gipfel der lebenden Legenden kein bloßes Klassentreffen der gehobenen Art sein soll. "Über Frieden reden und handeln" war Gorbatschows Ansatz, als er die Gipfel aus der Taufe hob. Tatsache ist allerdings, dass die Liste der konkreten Aktionen, die von den bisherigen Treffen ausgingen, überschaubar geblieben ist.

2002 schickten die Nobelpreisträger eine humanitäre Mission in den Irak, konnten aber die US-Invasion im Jahr darauf nicht verhindern. Welche Initiative am Ende der Auflage 2013 stehen wird, ist offen.

Klar ist dagegen, wer als Glanzlicht den Gipfel überstrahlen soll: US-Schauspielerin Sharon Stone erhält am Mittwoch für ihren unermüdlichen Einsatz im Kampf gegen Aids den "Sonderpreis des Friedensgipfels". Die Liste ihrer Vorgänger liest sich wie ein "Who is who?" der Glamour-Prominenz. Die Musiker Bono (U2), Peter Gabriel und Annie Lennox finden sich dort ebenso wie der italienische Fußballstar Roberto Baggio oder die Hollywood-Schauspieler Sean Penn und George Clooney.