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"Freund" aller im Europa-Parlament

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Erst in der vierten Runde hat er es geschafft: Antonio Tajani ist der Nachfolger des deutschen Sozialdemokraten Martin Schulz als Präsident des Europa-Parlaments. Er gewann am Dienstagabend mit 351 Stimmen in einer Stichwahl gegen den Sozialisten Gianni Pittella. dpa/sm

Im letzten Wahlgang genügte die einfache Mehrheit. Bittere Pille dabei: Er hatte weniger als die Hälfte der 751 Abgeordneten hinter sich.

Tajani war Kandidat der größten Fraktion und hatte auf dem Papier von Anfang an die besten Chancen bei der Präsidentenwahl. Durchgesetzt hat sich der 63-jährige ehemalige EU-Kommissar letztlich auch wegen einer Vereinbarung seiner EVP mit den Liberalen, die ihren eigenen Kandidaten Guy Verhofstadt zurückzogen.

Für viele im Haus war der edel ergraute Konservative ein rotes Tuch. "Für alle Nicht-Hardliner ist der Mann eine Provokation", sagte etwa der SPD-Abgeordnete Udo Bullmann dem "Spiegel".

Vorgehalten wird dem ehemaligen EU-Kommissar vor allem die Nähe zum früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi von der Forza Italia, dem Tajani einst als Pressesprecher diente. Er führte zeitweise die römische Redaktion der Mailänder Tageszeitung "Il Giornale", die der Familie Berlusconi gehört.

Auch zu seiner Zeit als EU-Kommissar zwischen 2008 und 2014 gibt es kritische Fragen. Ende 2016 musste er sich vor dem zuständigen Untersuchungsausschuss im EU-Parlament für seine Rolle im Abgas-Skandal rechtfertigen, war er doch für die Regulierung der Autobranche zuständig. Die Abgeordneten warfen ihm vor, zu viel Rücksicht genommen zu haben. Dabei ist Tajani seit 1994 einer von ihnen - unterbrochen nur durch seine Zeit als Kommissar. Seit 2014 ist er einer der 14 Vizepräsidenten.

Viele Abgeordnete links der Mitte trauen ihm nicht über den Weg. "Tajani präsentiert sich als politisch neutral, aber das ist nicht glaubwürdig", sagt Gabi Zimmer, die deutsche Fraktionschefin der Linken. Der SPD-Politiker Jens Geier übte auch scharfe Kritik daran, dass sich Tajani auf Stimmen der konservativen Fraktion EKR stützte, sind in der Fraktion doch auch die Europakritiker der britischen Konservativen und der polnischen Regierungspartei PiS vertreten.