November 1989 ein großes Glück. Ohne den Fall der Mauer hätten sie sich nie kennengelernt. Das Mauerfall-Jubiläum ist bereits jetzt Anlass, Bilanz zu ziehen und sich zu erinnern - an Freudentränen über das Niederreißen der Todesgrenze, an Umarmungen wildfremder Menschen und das Wiedererblühen ostdeutscher Städte. Doch längst hat sich Ernüchterung breitgemacht. Enttäuschte Ostdeutsche Zu den Optimisten gehört Minister Wolfgang Tiefensee (SPD), Beauftragter der Bundesregierung für den Aufbau Ost. "Was in diesem Jahr 1989 passiert ist, daraus können wir Kraft schöpfen", sagt er und gibt den Deutschen mit auf den Weg: "Bewerten Sie die Unterschiede zwischen Ost und West nicht zu hoch." Er hält auch nicht viel von einer neuen Forsa-Umfrage. Danach sind viele in Ost und West im Jubiläumsjahr des Mauerfalls enttäuscht. Noch 46 Prozent der Ostdeutschen finden demnach, dass sich ihre persönlichen Lebensverhältnisse verbessert haben. 1989 erwarteten dies noch 71 Prozent. Und im Westen sehen heute 40 Prozent ihre Lage als besser an, 1989 blickten 52 Prozent optimistisch in die Zukunft. Vorurteile auf beiden Seiten hätten sich verfestigt, sagt Forsa-Chef Manfred Güllner. Die Ostdeutschen glaubten, sie seien nur ausgenutzt worden, und "die Westler haben das Gefühl, nur für den Osten bezahlen zu dürfen". Kritik am Wort "Wende" Der frühere Ost-Berliner Pfarrer Rainer Eppelmann, der heute die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur leitet, regt sich noch über etwas anderes auf: Wer von Wende spreche, liege historisch falsch. Das sei die Wortwahl des damaligen SED-Chefs Egon Krenz, der nur eine Wende vollführen wollte, um an der Macht zu bleiben. Es sei eine friedliche Revolution gewesen, finden neben Eppelmann viele der damaligen DDR-Bürgerrechtler. Schließlich hätten die Massenproteste im Herbst 1989 den Rücktritt der SED-Führung erzwungen und dazu geführt, dass am Abend des 9. November Tausende Menschen über die Grenzen strömen konnten. Mit einer fast beiläufigen Bemerkung hatte Günter Schabowski als Mitglied des SED-Politbüros, dem höchsten DDR-Machtzirkel, am 9. November 1989 die Weltsensation auf einer Pressekonferenz in Berlin verkündet. "Die Reisefreiheit sollte die DDR retten", sagt der 80-Jährige. Der Ex-Spitzenfunktionär ist einer der wenigen, der seine Vergangenheit kritisch sieht.