Rainer Werdel ist Chef des Cottbuser Hotels „Holiday Inn“ . Für das amerikanische ChampCar-Rennen auf dem Lausitzring hat seine Einrichtung das gastronomische Rennen um die Betreuung der besonders honorigen Besucher, die Very Impor-tant Persons (VIP), gewonnen. Bei ausgebuchten VIP-Lounges auf dem Motodrom wären immerhin rund 600 Gäste zu umsorgen. Mehr als 50 Leute wird Werdel zusätzlich beschäftigen in Küchen, Bars und Butler-Service. Bäcker, Fleischer, Getränkehändler der Region können mit Aufträgen rechnen. „Wir bieten einen Motorsporthöhepunkt von Weltklasse in der Lausitz. Da muss das Angebot in allen Bereichen stimmen“ , begründet Hans-Jörg Fischer, Geschäftsführer des Eurospeedway Lausitz, warum die Wahl auf die Cottbuser Gastronomen fiel.

Sinneswandel bei Betreiber
Darin widerspiegelt sich durchaus ein Sinneswandel der Lausitzring-Betreiber. Noch vor gut zweieinhalb Jahren hatte Fischer in einem RUNDSCHAU-Interview den mangelnden Standard der Lausitzer Gastronomie, gemessen an hochkarätigen Motorsportveranstaltungen, bemängelt.
Holiday-Inn-Chef Rainer Werdel glaubt, dass die damalige Diskussion einiges bewirkt hat im Miteinander. Seit vorigem Jahr weisen Werbeflächen in der Rennanlage, die vom Lausitzring kostenlos zur Verfügung gestellt sind, auf die Hotels in Cottbus hin. „Insbesondere mit ihnen bemühen wir uns um gemeinsame Marketingaktionen“ , sagt Lausitzring-Sprecher Marc-Thorsten Lenze.
Rennfieber herrscht durchaus auch in anderen Hotels und Tourismusunternehmen. Beate Rademacher vom Hotel „Zum Stern“ in Ruhland hofft wieder auf Lausitzring-Gäste. „Im ersten Jahr war es für uns richtig gut. Danach hatten wir Einbußen“ , erinnert sie sich. Bekanntlich hatte die Berliner Bankgesellschaft Insolvenz für drei Lausitzring-Gesellschaften angemeldet und der Insolvenzverwalter das ChampCar-Rennen daraufhin abgesagt.
Zufrieden über die Zusammenarbeit mit dem Rennstreckenbetreiber ist Kathrin Winkler, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Niederlausitz. Vorteilhaft wirke sich aus, dass der Fremdenverkehrsverein direkt am Lausitzring sitze, Öffentlichkeitsarbeit miteinander abgestimmt werde. So soll nach Angaben von Eurospeedway-Sprecher Lenze noch vor dem Saisonstart eine gemeinsame Informationsveranstaltung mit Gewerbetreibenden im Dienstleistungs- und Tourismusbereich stattfinden. Eine gute Bilanz zieht auch Martin Noack von der Marketinggesellschaft Oberlausitz. „Die Hotels, vor allem die in Hoyerswerda, sind bei Veranstaltungen voll. Anders als 2002, als es am Lausitzring in die Hosen gegangen ist“ , schätzt er ein.

Nicht ohne Pannen
Längst aber läuft noch nicht alles im optimalen Gang und ohne Pannen, schwanken die Gefühle, die der Lausitzring weckt, zwischen Freud und Leid. Beatrix Richter, Direktorin des Sorat-Hotels Cottbus, gibt unumwunden zu: „Ich erwarte nicht viel vom Lausitzring. Die meistens Teams und Gäste buchen in Dresden, weil von Cottbus aus die Infrastruktur nicht stimmt.“ Für sie fehlt es nach wie vor noch an gemeinsamen Strategien. Jan Bitterlich, Direktor des Radisson SAS in Cottbus, bekennt, dass er über den gegenwärtigen Stand zum Lausitzring gar nicht genau informiert ist. Zu den beiden großen Motorsportveranstaltungen - neben den ChampCars der DTM-Lauf Anfang Juni - sei sein Haus zwar „nahezu ausgebucht“ . Negativ wirke sich generell aus, dass der Rennkalender erst im Frühjahr feststehe, die Planungen der Hotels dann aber schon abgeschlossen seien. Die Zusammenarbeit, die nach der eingangs erwähnten Kritik des Eurospeedway-Geschäftsführers forciert worden war, sei wieder „ein bisschen eingeschlafen“ .
Professor Jürgen Tauchnitz von der Fachhochschule Lausitz, der im vorigen Jahr eine Studie über die Wechselwirkung von Lausitzring und regionaler Wirtschaft veröffentlichte, registriert nach wie vor ein Abwarten im Umfeld des Motodroms. „Es gibt eine klare Aufgabenteilung. Der Eurospeedway-Betreiber muss sich um die Auslastung der Strecke kümmern. Die Region muss die Chance, die sich daraus ergibt, nutzen. Das macht sie aber noch nicht“ , so Jürgen Tauchnitz. Als er im Herbst des vergangenen Jahres die Ergebnisse und Schlussfolgerungen aus seiner Studie präsentierte, glänzten die Anrainer-Kommunen durch Abwesenheit. „Das war enttäuschend“ , gibt Tauchnitz zu.
Nach wie vor klaffe die Schere zwischen der Realität und den Erwartungen an die wirtschaftliche Ausstrahlung des Lausitzrings auseinander, meint Tauchnitz. Um den Ring herum müssten sich alle mehr Gedanken machen, fordert der Professor. Er erinnert sich noch an den Wirbel nach seiner Aussage, angesichts des überwiegend männlichen Rennpublikums würden die Lausitzer zu wenig erotischen Geschäftssinn entwickeln. Diese „Provokation“ sei angekommen, stellt Tauchnitz fest, allerdings mit überraschenden Schlussfolgerungen. Man brauche kein Bordell, hatte ein Bürgermeister festgelegt, aber den Fahrradverleih könne man ausdehnen, um Motorsportfans in den Ort zu locken.