Von Januar bis Juni 2011 kamen aus Griechenland 84 Prozent und aus Spanien 49 Prozent mehr Zuwanderer nach Deutschland als im ersten Halbjahr 2010. Aus den mittel- und osteuropäischen EU-Staaten – Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn – gab es Zuwächse um nur gut 30 Prozent. Sie zeigen, dass der Albtraum einer Masseninvasion aus dem Osten eine Chimäre war.

Welche Ausbildung haben die Zuwanderer?

Über die Qualifikation der Zuwanderer berichtet die Statistik nichts. Wir wissen aber, dass in vielen deutschen Großstädten Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien mit wohl nur mittlerer bis geringer oder auch gar nicht nachweisbarer Qualifikation eingetroffen sind. Sie dürfen als neue EU-Bürger zwar einreisen, auf dem deutschen Arbeitsmarkt bis 31. Dezember 2013 aber noch nicht abhängig beschäftigt, sondern nur als selbstständig erwerbstätig sein.

Wie können die EU-Staaten die Zuwanderung steuern?

Hier zeigt sich eine unerwartete Kehrseite des Evangeliums der Freizügigkeit: Es war als Traum vom Glück am Arbeitsmarkt für viele mit der Erwartung verbunden, es würden vorwiegend Menschen mit den erhofften Berufs- und Sozialprofilen kommen. Und wenn nicht, dann würde eben „Steuerung“ nachhelfen – weit gefehlt: „Freizügigkeit“ meint den freien Ab- und Zuzug von Menschen mit der Arbeitskraft und der Qualifikation, die sie haben oder eben nicht haben. Und „steuern“ kann man im Zeitalter der Freizügigkeit auf dem Binnenmarkt die Wanderungen von EU-Bürgern nicht mehr.

Mit Klaus J. Bade

sprach Ira Schaible, dpa