Was brauchen wir in unserer Region, damit die Lausitz sich den drängenden gesellschaftlichen Themen wie Globalisierung, Migration, demografischer Wandel oder sozialer Polarisierung stellen kann? Bereits vorherige Autoren der Serie "Lausitz 2030" haben Lösungsansätze formuliert: ein gesteigertes Innovationsbewusstsein, Ideenreichtum, vernetztes Denken, Konfliktfähigkeit, einen größeren Aktionsradius, Nachwuchskräfte, Jobs und eine bessere Handlungsfähigkeit - und meiner Meinung nach das Wichtigste und Ursprung jeder Weiterentwicklung: das Selbstbewusstsein und die Fantasie aller regionalen Akteure von Zivilgesellschaft über Unternehmen bis hin zu Kommunen, neue Wege zu gehen. Auf diesen Wegen gibt es kein richtig und kein falsch. Außer dahin gehend, Visionen keine Taten folgen zu lassen.

Der gemeinnützige Träger Soziales Netzwerk Lausitz hat eine Vision: die Vernetzung, Bündelung sozialer Engagementstrukturen sowie die Aktivierung regionaler Selbstheilungskräfte. Mit dem regionalen Engagementprojekt "Lausitzer Sozialpaten" wird derzeit ein möglicher Weg erprobt. Hier arbeitet die gesamte Region mit allen Akteuren an Lösungsansätzen für die aktuellen Herausforderungen. In einer Region, in der wenig Geld vorhanden ist, geht es um ein Miteinander ohne primären Fokus auf geldliche Beziehungen. Es geht um den Austausch von Kernkompetenzen und Sachkompetenzen.

Tatsächlich bringen Unternehmen unserer Region mittlerweile bereits eine breite Palette an Ressourcen und Instrumenten in soziale Kooperationen ein: Sachmittel, Know-how, kostenlose Unternehmensleistungen, Logistik, Kontakte und Einfluss. Soziale Initiativen erschließen damit nicht nur zusätzliche Handlungsoptionen, sondern gewinnen auch Fürsprecher für Anliegen im Gemeinwesen, eignen sich erforderliche Kenntnisse für ihre Organisationsentwicklung an und erweitern ihre Problemlösungskompetenz.

Doch es geht dabei auch um mehr: Es geht um ein gegenseitiges Verständnis, um einen Perspektivwechsel. Es geht um die Betonung von Gemeinsamkeiten, ohne Unterschiede zu negieren - aber auch ohne Unterschiede zu konstruieren und in Schubladen zu stecken. Durch freiwilliges Engagement, das nicht immer mit Geld aufzuwiegen ist, aber der Entwicklung unseres Gemeinwesens nachhaltig zugutekommt. Und natürlich dem regionalen Zusammenhalt und unserer selbst gelebten Daseinsvorsorge, ohne dabei staatliche Aufgaben und Zuwendungen ersetzen zu wollen oder zu können - vielmehr sie zu ergänzen.

Soziales Engagement istkeine Frage der Unternehmensgröße oder -branche. Und es beschränkt sich nicht auf bestimmte soziale Einrichtungen. Mitmachen kann jeder, der versteht, dass Geben und Nehmen sich nicht ausschließen.

Jeder hat etwas zu geben, und sei es die Zeit dafür, den anderen und seine Arbeit und seine täglichen Herausforderungen etwas besser zu verstehen.

Lassen Sie uns immer wieder mit kleinen Schritten anfangen und Fantasie einbringen. Das bringt bei vielen gegenwärtigen und zukünftigen Themen kreative, oft unerwartete Lösungen.

Das Soziale Netzwerk Lausitz existiert seit Oktober 2011. Regionale Unternehmen werden mit Vereinen und Organisationen zusammengebracht, um vor allem die ältere Bevölkerung zu unterstützen.

So werden unter anderem Treffpunkte für soziale Begegnungen, Hilfe zur Selbsthilfe und ein Reiseklub für Senioren angeboten.

Zum Thema:
Ende Januar hat die LAUSITZER RUNDSCHAU ihre große Zukunftsserie "Lausitz 2030" gestartet. Seither haben viele Gastautoren aufgezeigt, wie die Lausitzer in 15 Jahren leben werden. Mischen auch Sie sich ein unter: www.lr-online.de/lausitz2030

Zum Thema:
Manuela Thomas, 31 Jahre, Geschäftsführerin "Soziales Netzwerk Lausitz", stammt aus Hoyerswerda. Thomas ist ausgebildete Diplom-Betriebswirtin (BA) und macht derzeit ihren Abschluss im Masterstudiengang MBA Sozialmanagement. Sie leitet innerhalb des Netzwerkes die "Lausitzer Sozialpaten", die gemäß Richtlinie der Sächsischen Staatskanzlei "Demografischer Wandel" gefördert werden.