In Regie der Feuerwehr Weißwasser ist noch in diesem Jahr eine Sternfahrt der Kameraden nach Dresden geplant. "Die Probleme sind nicht nur die Probleme von Weißwasser, sondern vieler Feuerwehren Sachsens", heißt es in einem unlängst veröffentlichten Aufruf. Es gehe darum, die Politiker endlich wachzurütteln.

Stagnierende Mitgliederzahlen

Die Zukunft der Feuerwehr wird seit Jahren in Sachsen heiß diskutiert. Immer wieder gab es auch im Landtag Anfragen und parlamentarische Initiativen. Die Einschätzungen über die Zustände fallen erwartungsgemäß unterschiedlich aus, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. "Am stärksten beschäftigt uns die Frage: Was kann man tun, um angesichts stagnierender Mitgliederzahlen, gewachsener beruflicher Belastung und damit sinkender Tageseinsatzbereitschaft den Brandschutz in Sachsen weiterhin sicherzustellen", hob die SPD-Abgeordnete Sabine Friedel hervor und listet ein ganzes Bündel von Maßnahmen auf.

Als einen Mosaikstein sieht Friedel die Einrichtung sogenannter Stützpunktfeuerwehren im ländlichen Raum. Dort soll schwere und spezielle Technik stehen, über die kleine Wehren in der Regel nicht verfügen. Bei Bedarf können sie vom Stützpunkt unterstützt werden. Schon heute ist die sogenannte Tagesbereitschaft mangelhaft. Der Landesfeuerwehrverband hatte unlängst eingeschätzt, dass sie in einigen Teilen des Freistaates nur noch zu 50 Prozent erfüllt ist. In den betroffenen Regionen ist also tagsüber nur jede zweite Feuerwache einsatzfähig besetzt. Gefordert sind mindestens 80 Prozent. Als Konsequenz daraus müssen immer mehr Ortsfeuerwehren gerufen werden, wenn es an einer Stelle brennt - das kostet Zeit und Sprit.

Immer weniger Kameraden

Hinzu kommt eine Personalmisere: Der Landesfeuerwehrverband geht davon aus, dass von derzeit rund 42 000 freiwilligen Kameraden bis 2020 nur noch 34 000 übrigbleiben. Zum Vergleich: 1999 gab es im Freistaat noch mehr als 52 000. Dabei spüren die vielerorts vorhandenen Jugendfeuerwehren schon seit Jahren einen Zulauf. Nach Angaben des sächsischen Innenministeriums stieg die Mitgliederzahl von 9994 im Jahr 2008 auf 11 540 im vergangenen Jahr. Allerdings ist mit 16 Jahren für die meisten Schluss. Viele müssen mangels Alternativen vor Ort eine Ausbildung anderswo beginnen. Die wachsende Landflucht macht so auch vor der Feuerwehr nicht halt. Die CDU schlägt deshalb vor, auch bei älteren Semestern gezielt zu werben.

CDU-Parlamentarier Jan Löffler bricht eine Lanze für die Feuerwehr: "Wir haben in Sachsen eine flächendeckend leistungsfähige und moderne Feuerwehrstruktur." Erst beim Juni-Hochwasser habe sich das wieder einmal bewiesen.

Bei der Feuerwehr in Leipzig beispielsweise schwelt noch ein ganz anderes Problem: Sie kann sich zwar nicht über einen Mangel an Interessenten für die Profi-Feuerwehr beklagen und ist derzeit auch noch imstande, freiwerdende Stellen zu besetzen. Allerdings mache sich bemerkbar, dass mittlerweile eine größere Zahl von Bewerbern bei den für die Einstellung erforderlichen Leistungstests Schwierigkeiten habe, hieß es bei der Branddirektion Leipzig. Kurzum: Immer mehr potenzielle Feuerwehrmänner fallen durch Defizite im Schulwissen und schwache sportliche Leistungen auf.