Sachsen stellt sich angesichts der Bevölkerungsentwicklung auf eine steigende Nachfrage nach Seniorenwohnungen ein. Laut Innenministerium werden allein bis zum Jahr 2015 jährlich etwa 1500 altersgerechte und barrierefreie Wohnungen benötigt.

Dazu gehörten nicht allein die Ausstattung etwa mit breiteren Türen für Rollatoren oder schwellenlose Raumübergänge, sagte Axel Viehweger vom Verband der sächsischen Wohnungsgenossenschaften (VSWG). "Wichtig ist auch ein funktionierendes soziales Netzwerk, zum Beispiel Nachbarschaftshilfe." Bevölkerungsprognosen gehen davon aus, dass im Jahr 2030 etwa ein Drittel der Sachsen zur Generation 65 plus gehört. Das Pestel-Institut in Hannover hatte im Auftrag von Bau-, Mieter-, Architekten- und Sozialverbänden kürzlich eine Studie vorgelegt, nach der im Freistaat langfristig knapp 144 000 barrierearme Wohnungen nötig sind. Dafür müssten rund 2,2 Milliarden Euro investiert werden.

Auch aus Sicht des Deutschen Mieterbundes werden Wohnungen in Sachsen noch zu wenig unter dem Gesichtspunkt Barrierearmut modernisiert. "Vielleicht müssen die Vermieter erst erkennen, dass sie mit solchen Wohnungen einen Marktvorteil haben", sagt Landesgeschäftsführerin Petra Becker.

Bundesweit werden laut Pestel-Studie in den kommenden acht Jahren rund 2,5 Millionen zusätzliche Senioren-Wohnungen gebraucht, Investitionsbedarf: 39 Milliarden Euro. Der sächsische Genossenschaftsverband, der 240 Unternehmen mit 280 000 Wohnungen vertritt, plädiert für Augenmaß. "Wir rüsten nicht auf gut Glück um, sondern bauen nach Bedarf", sagt Vorstand Viehweger.

Gute Erfahrungen hat der Verband mit seinem vor einigen Jahren mit Förderung des Bundes gestarteten Projekt "Alter leben" gemacht. Inzwischen sind 20 Wohnungen, unter anderem in Burgstädt bei Chemnitz, Hoyerswerda, Döbeln und Leipzig, für alte Menschen hergerichtet worden.

"Geeignet für Menschen bis Pflegestufe II", erläutert Viehweger. Die Wohnungen verfügen unter anderem über technische Assistenzsysteme, über die die Bewohner etwa bei Stürzen einen Notruf absetzen können. In Leipzig gibt es 68 000 Seniorenhaushalte, mehr als jeder fünfte Leipziger ist älter als 65 Jahre.

Laut dem gerade veröffentlichten neuen Wohnungsmarktbarometer ist die Nachfrage nach seniorengerechten Wohnungen höher als das Angebot. Schätzungen über die vorhandenen altersgerechten Wohnungen bewegen sich zwischen 3000 und 6000, genaue Daten liegen der Stadt nach eigenen Angaben nicht vor.

Eine besondere Herausforderung ist der altersgerechte Wohnungsumbau für Städte mit einem hohen Altbaubestand. Zum Beispiel in Görlitz mit seinen wertvollen und seit Jahren aufwendig sanierten Altbauten, die sich nach Angaben des Stadtbauamtes meist in Privathand befinden.

"Wir orientieren die Bauherren bei der Sanierung schon zum Beispiel auf breitere Türen, schwellenfreie Übergänge oder Fahr-stühle. Da gibt es in den meistens großzügig geschnittenen Altbauten durchaus Möglichkeiten", sagt Amtsleiter Hartmut Wilke. Die 55 000-Einwohner-Stadt steht im Ruf, als Wohnort vor allem interessant für ältere Menschen zu sein. Zumindest in der Innenstadt sei das aber nicht so, sagt Wilke. "Da liegt der Altersdurchschnitt dank Zuzug bei 37 Jahren."